Vegane Bekleidung | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegane Bekleidung

18.06.2015

Wer sich entscheidet vegan zu leben, wird sich zu allererst mit essenstechnischen Fragestellungen beschäftigen. Da Veganismus aber nicht nur eine Ernährungsform oder gar eine Diät ist, sondern eine Lebenseinstellung, lohnt sich der Blick über den Tellerrand allemal. Denn auch für Kleidung werden Materialien tierlichen Ursprungs verarbeitet, welche ebenfalls Verursacher großen Leides für Tiere sind. Neben den offensichtlichen Kandidaten wie Pelz und Leder gibt es auch einige, die erst bei genauerem Hinsehen ins Auge fallen. Der folgende Überblick soll diesbezüglich Klarheit schaffen.

Materialen tierlichen Ursprungs:

Pelz:

Kleidungsstücke aus Pelz, insbesondere der Pelzmantel, gelten immer noch als Statussymbol. Bis vor einigen Jahren geriet das Tragen von diesen auf Grund der unglaublichen Tierqual, die mit der Herstellung einhergeht, in Verruf. Unglücklicherweise erlebt Pelz dieser Tage eine Moderenaissance; Pelzkrägen in den Wintermonaten sind zur Normalität geworden. Selbst wenn ein gut verarbeiteter Kunstpelz aus Baumwolle und Polyacryl eine modische Alternative zu Tierfellen darstellt, werden oftmals Echtpelze aus China falsch als Kunstpelz deklariert. Dies gilt insbesondere für die beliebten Kragenbesätze oder Bommel an Mützen.

Leder:

Leder genießt ebenfalls den Ruf eines hochwertigen Naturprodukts, welches in den Augen der meisten mit dem Argument, dass es sich sowieso um ein Nebenprodukt der Fleischindustrie handelt, verteidigt wird. Die Tierhäute müssen chemisch behandelt werden um sie haltbar zu machen, bzw. eine Verwesung zu verhindern. Für diese Verfahren werden große Mengen an Wasser (55 000 Liter pro Tonne gegerbter Tierhäute!) verbraucht und bei der verbreitetesten Methode, der Chromgerbung, hochgiftige chemische Abfälle produziert. Teilweise können sogar Rückstände von krebserregenden Chrom(VI)-Verbindungen an den Lederprodukten haften bleiben. Leder ist aber nicht nur kein harmloses „natürliches“ Produkt, sondern auch keineswegs ein Schlachtabfall. Durch Leder werden die meisten Tierfabriken erst rentabel, 40% der weltweiten Schlachtungen dienen der Lederindustrie. Nubuk, Nappa, Velour, Soft-, Wild- und Glattleder sind handelsübliche Bezeichnungen für Lederprodukte. Genaueres zur Lederproduktion gibt’s auf unserem Lederflyer.

Wolle:

Für die industrielle Produktion von Wolle müssen Schafe das sogenannte Mulesing über sich ergehen lassen. Dabei werden die Hautfalten um den Schwanz der Tiere ohne Betäubung einfach herausgeschnitten, da sich sonst in den Falten Urin und Feuchtigkeit sammeln können, was wiederum Fliegen anzieht. Diese extrem schmerzhaften Wunden können sich zudem noch entzünden, bevor sie überhaupt abheilen. Die am häufigsten verwendete Schafsrasse, die australischen Merinoschafe, wird speziell mit immer faltigerer Haut gezüchtet um sie so profitabler zu machen.
Die Kaschmirziege mit ihrem besonders feinen Fell wird für die hochpreisige gleichnamige Wolle gezüchtet. Den Ziegen wird dabei das Haar mit Metallbürsten grob ausgekämmt oder sogar gerupft. Ebenfalls beliebt für die Herstellung von feinen Garnen ist das Fell des Angorakaninchens, welches genauso unter qualvollen Bedingungen größtenteils in China gezüchtet und gerupft wird. Unter Bezeichnungen wie Pashmina, Shearling, Kamelhaar und Mohair verbirgt sich ebenfalls Wolle (siehe unser Wolle-Flyer).

Seide:

Das Luxusprodukt aus dem Reich der Mitte ist ebenfalls ein Tierprodukt. Für die Herstellung werden die Raupen in ihren Kokons mit heißem Wasserdampf verbrüht, damit die Fäden erhalten bleiben. Selbiges Prozedere gilt auch für Seide aus Bioproduktion. In der konventionellen Zucht werden zusätzlich große Mengen an Pestiziden gespritzt, um andere Insekten von den Maulbeerbäumen fern zu halten.
Wildseide (auch bekannt als Tussahseide des Eichenspinners) kommt ohne menschliche Züchtung und Tötung der Seidenraupen aus. Hierbei werden Kokons bereits geschlüpfter Raupen verwendet. Da der Schmetterling beim Schlüpfen den Kokon beschädigt, entsteht bei dieser Seidenart eine etwas gröbere Fadenstruktur.

Federn:

Federn sind insbesondere bei Winterjacken und Bettdecken als Daunen ein beliebtes Füllmittel. Meist stammen sie von weißen Gänsen oder Enten. In ihrem verkürzten Leben müssen die Tiere vier bis fünf Rupfungen erleiden, bei welchen ihnen jeweils ca. 140 g ihrer Federn händisch entrissen werden. Der letzte Durchgang wird maschinell erledigt, kurz bevor das Tier geschlachtet wird.

Perlmutt und Horn:

Perlmutt aus der Muschelzucht und Horn aus Hufen, Vogelschnäbeln oder Geweihen gehören zu den am wenigsten wahrgenommenen tierlichen Materialien in Kleidungsstücken. Diese können auch bei verhältnismäßig günstigen Blusen, Hemden oder Jacken als Knöpfe verwendet werden und sind in den seltensten Fällen als solche deklariert. Ein genauer Blick auf das Kleidungsstück lohnt sich hier besonders!

Alternativen:

Glücklicherweise ist mensch nicht auf Kleidung aus Tierprodukten angewiesen. Es gibt eine Vielzahl an Textilien, pflanzlichen oder synthetischen Ursprungs, die alle Ansprüche an qualitative hochwertige Kleidung erfüllen können.

Pflanzliche Fasern:

Baumwolle ist das wohl für die Bekleidungs- und Textilindustrie bedeutendste der pflanzlichen Garne. Gewonnen wird es aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze und ist besonders widerstandsfähig, saugfähig und allergiearm. Obschon es sich um eine Naturfaser handelt, werden beim Anbau und später bei der Verarbeitung der konventionellen Baumwolle umweltbelastende Pestizide oder Farbstoffe verwendet. Bio-Baumwolle ist daher aus umweltschonender Sicht zu bevorzugen.

Eine der ältesten Kulturpflanzen weltweit, Hanf, lässt sich ebenfalls zu einem festen, strapazierfähigen Garn verspinnen. Die Pflanze kann ohne die Verwendung von Pestiziden angebaut werden, ist ein schnell nachwachsender Rohstoff und ist komplett biologisch abbaubar.

Flachs hat ebenfalls eine lange Tradition als Nutzpflanze und gewinnt als das daraus gewonnene Leinen in den letzten Jahren als Naturfaser für die Bekleidungsindustrie wieder mehr an Bedeutung. Seine kühlenden und bakterioziden Eigenschaften machen es vor allem für die Herstellung von Sommerbekleidung ideal.

Viskose wird aus Zellstoff von Hölzern wie Bambus, Buchen, Eukalyptus, Fichten oder Pinien hergestellt und gehört zu den halbsynthetischen Chemiefasern. Die Gewinnung erfolgt mittels chemischer Verfahren, bei welchen der Ausgangsstoff zur Auflösung und Verarbeitung mit Lauge versetzt wird. Das Endprodukt ist biologisch abbaubar und weist ähnliche Trageeigenschaften wie Baumwolle auf. Zwar werden für den Anbau des Rohstoffes keine Pestizide benötigt, allerdings fallen bei der Herstellung schädliche Abfallprodukte an. Das ebenfalls auf Holzzellulose basierende Lyocell kommt mit nicht-toxischen Lösungsmitteln aus und ist daher umweltschonender. Zudem eignet es sich auch als ausgezeichnete Alternative zu Daunen in Bettdecken, sowie als Ersatz für die teurere Seidenkrawatte.

Eine noch relativ neue, umweltfreundliche und recyclebare Lederalternative stellt Korkleder dar. Es ist strapazierfähig und pflegeleicht und wird in Österreich hergestellt.

Synthetische Fasern:

Acryl und Polyester sind die in der Textilindustrie am häufigsten verwendeten Synthetikfasern. Acryl weist ähnliche Eigenschaften wie Wolle auf, da es besonders weich und wärmespeichernd ist. Polyester hingegen ist besonders wasserabweisend, was es für Sportbekleidung prädestiniert. Da beide Fasern auf Erdölbasis hergestellt werden, und bei jedem Waschgang kleine Teile der Fasern ins Abwasser gelangen können, stellen sie allerdings aus ökologischer Sicht nicht die besten Alternativen dar.
Kunstleder aus PVC oder Polyurethan, wird insbesondere als günstigere Alternative für Echtlederschuhe verwendet. Da Herstellungsprozess allerdings ebenfalls größtenteils von Erdöl getragen wird, gelten dieselben Schlussfolgerungen wie für die oben genannten Synthetikfasern.

Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie:

Wer tierleidfreie und umweltschonende Kleidung kaufen möchte, dem bietet sich wie oben gezeigt, ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Jedoch sind die Arbeitsbedingungen unter welchen Textilien für die breite Masse hergestellt werden, ebenfalls ein Faktor der Berücksichtigung verlangt. Für „fast-fashion“ großer Billigmodehäuser müssen Arbeiter_innen in Billiglohnländern oft menschenunwürdige Verhältnisse erleiden. Rechte, die für uns selbstverständlich sind wie Mutterschutz, Urlaubsanspruch, Gewerkschaftsbildung, bezahlte Überstunden, oder auch Sicherheitsstandards zur Vermeidung von Unfällen, sind in vielen Fabriken in Bangladesch, Indien, Pakistan oder China nicht existent. Wer dies mit dem Kauf von Billigkleidung nicht unterstützen möchte, kann beispielsweise auf mit dem fairtrade-Logo gekennzeichnete Bekleidung zurückgreifen. Hierbei wird versichert, dass die Arbeiter_innen einen existenzsichernden Lohn sowie die Erhaltung ihrer sozialen Rechte bekommen. In weiterer Folge verfügen Produkte aus fairem Handel über höhere Qualitätsstandards. Hierbei, wie bei so vielem anderen auch, gilt: weniger ist mehr.

Liste von veganen und fairen Shops:

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Online-Shops und Geschäften die vegane, faire und biologische Mode anbieten. Hier eine kleine Auswahl:

Schuhe und Accessoires:

Ein Blick in Second-Hand-Geschäfte wie die carla - Geschäfte der Caritas oder der Volkshilfe lohnen sich ebenfalls, um sich an ressourcen- und geldbörse-schonender Mode erfreuen zu können!
Zur fashion-Inspiration gibt es mittlerweile sogar auch vegane Mode- und Lifestyle Magazine wie das vegan good life oder das noveaux.

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