Von Bienen, Blumen und Honig | Vegane Gesellschaft Österreich

Von Bienen, Blumen und Honig

06.06.2016

Schreckensbilder aus der Massentierhaltung von Rindern, Schweinen, Hühnern und anderen „Nutztieren“ sind vielen Menschen bekannt. Doch unter welchen Bedingungen werden Bienen gehalten? Warum ist Honig nicht vegan? Und was hat es mit dem weltweiten Bienensterben auf sich?

Bestäubungsleistung

Biene in Wabe

Die Biene gilt zurecht als fleißiges, hart arbeitendes Insekt, das summend über Wiesen und Felder flitzt, um unermüdlich Blüten zu bestäuben und Nektar für die Honigproduktion zu sammeln. Bienen bestäuben etwa ¾ aller vom Menschen genutzten Pflanzen – aufgrund dieser ökonomisch und ökologisch wichtigen Bestäubungstätigkeit gelten sie nach Rindern und Schweinen als die wichtigsten „Nutztiere“. Der ökonomische Wert dieser Bestäubungsleistungen wird auf über 150 Milliarden Euro jährlich geschätzt, dass heißt dieser Betrag müsste aufgewendet werden, wenn die Pflanzen manuell oder maschinell bestäubt werden müssten. Künstliche Bestäubung ist aufgrund des massiven Bienensterbens in manchen Regionen der Erde traurige Realität geworden. Doch Bienen bestäuben nicht nur Nutzpflanzen, sondern auch Wildpflanzen und tragen somit zum Erhalt der Biodiversität bei.

Situation in Österreich – Bienenhaltung und Honigkonsum

Obwohl in Österreich beinahe 700 verschiedene Bienenarten leben und weltweit 17.000 existieren, kennen die meisten Menschen nur die Honigbiene. Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) wird von Imkern aufgrund ihrer Honig- und Wachsproduktion in Bienenstöcken gehalten. Hierzulande wird zwischen Nutzbienen, wie der oben erwähnten Honigbiene, und Wildbienen unterschieden, die nicht von Menschen gehalten werden und sich frei in der Natur bewegen. Wildbienen produzieren im Vergleich zur Honigbiene relativ wenig Honig, übertreffen ihre Artgenossen aber in der Bestäubungsleistung. In Österreich werden von über 25.000 Imker_innen etwa 380.000 Bienenvölker gehalten. Die österreichische Imkerei ist von Kleinstrukturiertheit geprägt, nur etwa ein Prozent führt die Bienenhaltung hauptberuflich aus.

Die Industrielle Bienenzucht, wie sie in Nord- und Südamerika betrieben wird, ist in Österreich noch unbekannt. Diese Form der Bienenhaltung, welche die Logik der Gewinnmaximierung verfolgt, hat den Namen Massentierhaltung mehr als verdient. Etwa 5 % der Imker_innen in den USA halten 95 % der Bienen und jährlich werden dort etwa zwei Millionen Bienenvölker per LKW von Plantage zu Plantage zur Blütenbestäubung transportiert. Die Bienen werden durch den stresserzeugenden Transport und die monotone Ernährung geschwächt. Alleine während der Fahrten stirbt eine von zehn Bienen. Da in Österreich jährlich etwa 1,2 kg Honig pro Kopf verzehrt werden und diese hohe Nachfrage nur zur Hälfte durch die heimische Produktion gedeckt werden kann, wird der Rest importiert. Lateinamerika und China sind die Hauptlieferanten des importierten Honigs und somit spielt die industrielle Bienenzucht auch für österreichische Konsument_innen eine Rolle. Dieser importierte Honig legt nicht nur sehr lange Transportstrecken zurück, sondern stammt auch aus Ländern, die wesentlich lockere Gesetze der Bienenhaltung und Honiggewinnung haben.

Doch auch in der heimischen Haltung leben Bienen unter teils sehr unnatürlichen Bedingungen. Durch jahrzehntelange Züchtung wurden sie „optimiert“, um im Vergleich zu ihren Artgenossen relativ friedlich zu sein und viel Honig zu produzieren. Diese Zucht führt zu einer Verarmung des genetischen Pools und macht sie anfälliger für diverse Krankheiten. Der Handel mit Bienen floriert, künstliche Befruchtung von Bienenköniginnen und Versand von Bienen zu Käufer_innen ist keine Seltenheit mehr. Oftmals werden die Flügel der Bienenkönigin gestutzt um sie und die Arbeiterbienen an den Stock zu binden und sie am Schwärmen zu hindern. Bienenköniginnen legen bis zu 2.000 Eier täglich bzw. 2 Millionen in ihrem Leben. Um die Produktivität des Eierlegens auf ihrem Maximum halten, werden die Bienenköniginnen meist nach ein bis zwei Jahren getötet und durch eine jüngere ersetzt, obwohl sie eine natürliche Lebenserwartung von sechs Jahren erreichen könnten. Dies erinnert an ein ähnliches Vorgehen bei Milchkühen und Legehennen, wenn deren Milch- bzw. Eierproduktion nachlässt. Bei der Entfernung des Honigs werden meist zahlreiche Bienen zerquetscht oder getötet. Imker setzen vor der Honigentnahme oft Rauch ein, um einen Waldbrand zu imitieren. Die Bienen verlassen verständlicherweise schnell, voller Angst und Stress den Stock und erleichtern dem/der Imker_in die Honigentnahme.

Es sei darauf hingewiesen, dass in der biologischen Bienenhaltung das Stutzen der Flügel, die Verabreichung von chemischen Mitteln und das künstliche Besamen der Bienenköniginnen verboten sind. Bio-Imker_innen betonen weiters, den Bienen nur einen nicht notwendigen Teil des Honigs zu entnehmen.

Arbeitsteilung und komplexe Gesellschaftsstruktur

Die Honigbiene ist ein hoch soziales, staatenbildendes Insekt, das in einer komplexen Gesellschaftsstruktur lebt. In einem Bienenstock leben zehntausende Bienen, vorwiegend handelt es sie um Arbeiterinnen, die sich um Futtersuche, Brutpflege, Wabenbau, Honigproduktion und Verteidigung des Stockes kümmern. Ab dem Frühsommer werden männliche Bienen, die Drohnen, aufgezogen, welche nach der Befruchtung der Bienenkönigin sterben oder aus dem Stock vertrieben werden. Pro Stock gibt es nur eine voll entwickelte und zeugungsfähige weibliche Biene, die Bienenkönigin, die für die Eierproduktion und somit den Nachwuchs verantwortlich ist. Bienen kommunizieren über verschiedene „Tänze“ miteinander und informieren sich so etwa über Futterquellen, Nistmöglichkeiten und Gefahren.

Die Honigproduktion – Ein arbeitsintensives Unterfangen

Pflanzen produzieren Nektar als Lockmittel für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten, um von ihnen bestäubt zu werden. Bienen sammeln Nektar und Pollen und produzieren in zeitintensiver Arbeit Honig für sich selbst und nicht für den Menschen. Dem aufgenommenen Nektar werden körpereigene Säuren, Enzyme und Eiweiße hinzugefügt und Wasser entzogen. Der Honig ist eine überlebensnotwendige Nahrungsreserve für den Winter und enthält essentielle Enzyme und Vitamine, welche die Bienen zum Schutz ihres Immunsystems benötigen. Weiters wird er zur Aufzucht der Brut und als Heiz- und Betriebsmaterial verwendet. In der konventionellen Bienenzucht wird meist der gesamte Honig des Bienenstocks entnommen und den Bienen eine Ersatznahrung in Form von Zuckerwasser bereitgestellt, die jedoch nicht die nötigen Nährstoffe enthält. Die Folgen reichen von Mangelernährung, Schwächung des Immunsystems bis zum Tod. Für ein Kilogramm Honig müssen zwei Millionen Blüten bestäubt werden. Daraus folgt, dass eine Honigbiene in ihrem Leben nur zwei Teelöffel Honig produziert, also in etwa dieselbe Menge, die beim Bestreichen eines Brotes verwendet wird.

Mysteriöses Bienensterben – Mögliche Ursachen

Colony Collapse Disorder (CCD) ist die Bezeichnung für eine bis heute nicht vollständig geklärte Form des Bienensterbens, bei der zahlreiche Arbeiterbienen im und in der Nähe des Stockes fehlen, während Brut, Jungbienen, Honig und die Bienenkönigin noch vorhanden sind. In den USA sterben jährlich etwa 30 % der Bienen über den Winter, in Österreich und Deutschland sind es etwa 15 %, wobei eine Sterblichkeit von 10 % als normal angesehen wird. Durch das massive Bienensterben kommt es nicht nur zu finanziellen Schäden für die Imker_innen, sondern auch für die übrigen Landwirt_innen, da die Bestäubungsleistung der Bienen zurückgeht. Zukünftig könnte dies die Lebensmittelvielfalt bedrohen und zu steigenden Preisen für die Konsument_innen führen. Es wird angenommen, dass eine Kombination von Ursachen zum CCD führt, etwa der Befall durch die Varroamilbe, Mangelernährung durch die Bestäubung von Monokulturen und den Ersatz des Honigs durch Zuckerwasser, Stress aufgrund langer Transporte, Pestizideinsatz in der Landwirtschaft, Antibiotikaverabreichung und Krankheitsanfälligkeit durch genetische Zucht.

Der Befall durch die Varroamilbe ist eine der häufigsten Ursachen des Bienensterbens. Konsequenzen sind unter anderem Gewichtsverlust bei Larven, somit kleinere, geschlüpfte Bienen und eine niedrigere Lebenserwartung. Die Milben übertragen eine Vielzahl an Viren, die zur Schwächung des Immunsystems, Störung der Eiweißproduktion und Krankheiten bis hin zum Tod führen. Imker_innen behandeln ihre Bienen oftmals mit Antibiotika aus Angst vor einem Befall mit Varroamilben und anderen Krankheitserregern. Spuren dieser Antibiotika finden sich wenig überraschend auch im Honig. Antibiotikaeinsatz bei Bienen ist in Europa zwar nicht erlaubt, in anderen Gebieten ist dieser aber eine Standardmethode und aufgrund der hohen Importmengen findet sich antibiotikabelasteter Honig auch in österreichischen Supermarktregalen.

Durch Monokulturen und den Anbau von wenig verschiedenen Pflanzen erhalten die Bienen eine relativ einseitige Ernährung und sind krankheitsanfälliger. In der konventionellen Landwirtschaft werden große Mengen Pestizide eingesetzt, die Krankheiten und Orientierungslosigkeit bei den Bienen hervorrufen können. Die orientierungslose Biene findet mitunter nicht mehr zurück in ihren Bienenstock und stirbt.

Bienenprodukte

Honig wird nicht nur als Brotaufstrich verwendet, sondern auch in Cornflakes, Müslis, Salatdressings, Süßigkeiten und Backwaren. Auch Kosmetika enthalten oftmals Produkte von Bienen wie Gelee Royal und Bienenwachs. Selbst in zertifizierten Naturkosmetika sind derartige Produkte erlaubt. Beim Einkauf von Lebensmitteln und Kosmetika kann auf das V-Label und die Veganblume geachtet werden. In der Küche kann man auch auf viele pflanzliche Alternativen wie Löwenzahnhonig, Agavendicksaft und Ahornsirup zurückgreifen.

Bienenschutz

Bienen kann nicht nur durch den Verzicht auf Honig geholfen werden, sondern auch durch den Bau von Nistplätzen für Wildbienen und den Anbau von bienenfreundlichen Pflanzen. Besonders beliebt sind bei Bienen Sonnenblumen, Lilien, Himbeeren, Brombeeren und Bäume wie Apfel, Kirsche und Kastanie. Die biologische Landwirtschaft kommt den Bienen zugute, da der Einsatz von Pestiziden verboten ist und auf eine sinnvolle Fruchtfolge geachtet wird. Manchmal wird argumentiert, dass durch den Konsum von Honig Bienen geschützt werden, da dies Imker_innen die Haltung der Insekten ermöglicht. Da die Honigbiene zahlreiche Wildbienen unter starken Konkurrenzdruck setzt, kann die Honigbienenhaltung jedoch sogar die Artenvielfalt an Bienen reduzieren.

Filmtipp – More Than Honey

Im Dokumentarfilm „More Than Honey“ begibt sich Markus Imhoof auf die Suche nach den Ursachen für das weltweite Bienensterben und zeichnet mit beeindruckenden Nahaufnahmen das Leben der Bienen nach. Seine Reise führt ihn rund um die Welt und von kleinen, traditionellen Imkern zu industriellen Betrieben in den USA.

Fazit

Die Lebensbedingungen von konventionell und biologisch gehaltenen Bienen mögen sich stark unterscheiden, doch selbst die Bio-Imkerei kann nicht garantieren, dass keine Bienen bei der Honigentnahme gestresst, verletzt oder getötet werden. Während Bienen ihren Honig zur eigenen Nahrungsversorgung benötigen, ist er für Menschen kein lebensnotwendiges Nahrungsmittel. Die Frage, ob es fair ist eine Biene etwa 20.000 Blüten bestäuben zu lassen, um sich mit dem mühsam produzierten Honig ein einziges Brot bestreichen zu können, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Verzicht auf Honig ist nicht zuletzt wegen den zahlreichen pflanzlichen Alternativen jedoch mehr als einfach.

Weiterführende Artikel:
- 10 pflanzliche Honig-Alternativen
- Löwenzahnhonig

Foto: Fotolia|shaiith