Kühe geben doch sowieso Milch?! | Vegane Gesellschaft Österreich

Kühe geben doch sowieso Milch?!

26.04.2018

An einem Sonntagnachmittag laden Sie Freund_innen zu Kaffee und Kuchen ein. Der Tisch wird liebevoll mit weißem Porzellan und bunten Blumen gedeckt, der Duft von frischem Apfelstrudel und Kaffee liegt in der Luft. Nur noch die Familienhündin muss für den cremigen Cappuccino gemolken werden. Ihnen wird bei dem Gedanken, eine Hündin zu melken, mulmig zu Mute? Es ist nicht natürlich, normal oder notwendig, diese Milch zu trinken, die für Welpen bestimmt ist? Wir stimmen Ihnen vollkommen zu! Alle Säugetiere stellen für ihren eigenen Nachwuchs Milch her und wollen mit diesem eine innige Beziehung aufbauen.

Foto: Fotolia | pierluigipalazzi
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Das Klagen der Kühe

Kühen wird dieses Mutterglück verwehrt, denn sie werden kurz nach der Geburt von ihrem Kind getrennt. Folglich rufen beide tage- oder wochenlang nacheinander. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit führen oft zu aggressivem Verhalten bei diesen sonst so besonnenen Lebewesen. Durch die traumatisierende Mutter-Kind-Trennung erübrigt sich die Frage, ob es Milch von glücklichen Kühen gibt. Das Kälbchen verbringt seine ersten Lebenswochen alleine in einem Kälberiglu oder einer Einzelbox auf einer Fläche von 1 m2. In den Genuss seiner Muttermilch kommt es nur kurz. Die sogenannte Kolostralmilch der ersten Tage ist für das Kalb bestimmt, die monatelang folgende Milch entwendet der Mensch der Kuh. Von Beginn an muss das Kalb aus Eimern mit Nuckeln oder Tränkautomaten trinken und so bleibt bei vielen das Saugbedürfnis unbefriedigt. Aus diesem Grund und dem emotional schmerzvollen Verlust der Mutter beginnen Kälber, sich gegenseitig zu besaugen. In den ersten zwei Lebenswochen ist es erlaubt, Kälber zu enthornen – ohne Betäubung. Diese „Vorsichtsmaßnahme“ wird getroffen, da sich die Tiere durch die beengenden Lebensbedingungen gegenseitig verletzen könnten. Steht Rindern ausreichend Platz zur Verfügung, etablieren sie eine stabile Rangordnung und tragen keine Kämpfe aus.

Enge Verflechtungen der Milch- und Fleischwirtschaft

Männliche Kälber von Milchkühen werden meist der Mast zugeführt und mit sechs Monaten geschlachtet. Ihre Schwestern erfahren dasselbe Schicksal wie die Mütter und werden als „Milchmaschinen“ missbraucht. Die dauernde Anbindehaltung wurde 2012 abgeschafft und Rinder sollten sich an 90 Tagen im Jahr frei bewegen können. Zahlreiche Ausnahmeregeln führen dazu, dass die Anbindehaltung noch immer weit verbreitet ist. So dürfen Rinder angebunden werden, wenn keine geeigneten Weiden oder Auslaufflächen vorhanden sind. Rindern stehen in der Anbindehaltung etwa 2 m2 zur Verfügung. Bis auf Aufstehen und Hinlegen wird jegliche Bewegung für die angeketteten Tiere unmöglich. Auch in einem Laufstall ist der Platz mit 2-3 m2 pro Tier bescheiden.

Ein Leben in erzwungener Dauerschwangerschaft

Menschen und Kühe geben als Säugetiere nur Milch, wenn sie ein Baby versorgen müssen. Interessanterweise ist der Mensch das einzige Lebewesen, das die Milch einer anderen Spezies trinkt und dies auch noch im Erwachsenenalter tut. Ein weibliches Rind wird zum ersten Mal mit etwa 18 Monaten befruchtet und gebärt nach einer 9-monatigen Schwangerschaft ein Baby. Um die Milchleistung auf einem Maximum zu halten, wird sie nach kurzer Zeit wieder zwangsbefruchtet. Lediglich zwei Monate vor der Geburt wird ihr eine Melkpause gegönnt. Die Kuh ist gezwungenermaßen durch die Hand des Menschen beinahe ihr ganzes Leben schwanger. Nach drei Schwangerschaften und mit etwa fünf Jahren ist die Kuh physisch und psychisch so ausgelaugt, dass sie keine Milchhöchstleistungen mehr erbringt und unrentabel wird. Auf den Zeitpunkt der Unrentabilität folgt kurze Zeit später der Tod im Schlachthaus. Sie erreicht etwa ein Viertel ihrer 20-jährigen Lebenserwartung.

Zur Gewinnmaximierung missbraucht

Die Züchtung auf enorme Milchmengen und die beengenden Haltungsbedingungen verschlechtern Wohlbefinden und Gesundheitszustand der Tiere. Laut dem Veterinärmediziner Wolfschmidt stammt jeder zehnte Liter Milch von einer Kuh mit entzündetem Euter. Da pro Liter Milch 400 Liter Blut durch das Euter fließen, werden andere Körperregionen mit Blut unterversorgt und infolgedessen entstehen Klauenentzündungen. Durch selektive Zucht wurde die Milchleistung auf das heutige gesundheitsbedrohliche Ausmaß erhöht. Eine Kuh gibt heute 6.600 Liter Milch pro Jahr. In der Bio-Landwirtschaft bekommen die Tiere biologisches Futter und die Haltungsanforderungen orientieren sich vereinzelt stärker am Tierwohl. Mutter und Kind werden jedoch auch hier nach kürzester Zeit getrennt. Der Transport zum und Tod im Schlachthof durch Bolzenschuss und Durchschneiden der Halsschlagader sind unabhängig davon, ob das Rind in konventioneller oder biologischer Landwirtschaft lebte. Laut Schätzungen werden 7 % der Rinder nicht ordnungsgemäß betäubt und erleben ihre Tötung bei teilweisem oder vollständigem Bewusstsein mit. Das Grundproblem, dass Rinder als Milch und Fleisch produzierende Maschinen gesehen werden, besteht in beiden Haltungsformen.

Rinderpersönlichkeiten und deren Wünsche

Rinder sind sehr soziale Lebewesen und würden am liebsten in einer Herde mit 20 anderen Artgenossen leben. Während des 10-stündigen Grasens legen die gutmütigen Riesen mehrere Kilometer zurück. Nicht zuletzt deren außerordentlichen kognitiven Fähigkeiten beweisen, dass die Tiere alles andere als „dumme Kühe“ sind, was diese Beschimpfung oftmals suggeriert. Rinder werden als so intelligent wie Hunde eingeschätzt, verfügen über ein Langzeitgedächtnis und können bis zu 100 verschiedene Artgenossen unterscheiden. Sie können sich über die Zukunft Sorgen machen und haben Freude am Lösen von Rätseln. Jedes Rind hat Persönlichkeitsmerkmale, die es klar von anderen unterscheidet. Wie Katzen bekunden sie Liebe zueinander durch gegenseitige Körperpflege. Viele von ihnen sind überaus neugierig und verspielt. Sie bilden lebenslange Freundschaften und trauern um tote Herdenmitglieder, wobei sie sogar Tränen vergießen können.

Tipps für ein rinderfreundliches Leben

  • Probieren Sie Pflanzenmilch: Milch aus Soja, Mandel, Reis und anderen Pflanzen finden Sie in allen Supermärkten. Viele Geschäfte führen auch vegane Varianten von Joghurt, Schlagobers und Käse. Auch die meisten Bäckereien und Cafés bieten Pflanzenmilch für den Kaffee an. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Besuch einfach nach!

  • Kochen und Backen: Kuhmilch kann einfach durch Pflanzenmilch ersetzt werden. Geschmacklich ist nicht erkennbar, mit welcher Milch etwa Palatschinken zubereitet wurden. Marinierter Tofu, Seitan oder Sojamedaillons ersetzen Rindfleisch in Gerichten wie Spaghetti Bolognese oder Geschnetzeltem. Hefeflocken verleihen Gerichten ein käsiges Aroma.

  • Für passionierte Köchinnen und Köche: Sie können Alternativen zu Milch(-produkten) und Fleisch selbst herstellen. Empfehlenswert sind die Kochbücher „Käse vegan“ von Marie Laforêt, „Vegan Homemade“ von Lisa Pfleger und „Meine kleine vegane Metzgerei“ von Sébastien Kardinal.