Tiergefängnis Zoo-Artgerecht ist nur die Freiheit | Vegane Gesellschaft Österreich

Tiergefängnis Zoo-Artgerecht ist nur die Freiheit

15.11.2016

Unterhaltung, Bildung, Forschung und Artenschutz werden von den meisten zoologischen Einrichtungen genannt, um ihre Existenz zu legitimieren. Doch können Lebewesen ein erfülltes Leben führen, wenn sie zur Unterhaltung der zahlenden Kundschaft in Gefangenschaft geboren oder ihrem natürlichen Lebensraum entrissen wurden und ihr Leben hinter Gittern fristen müssen?

Unterhaltung

Die Geburten von Tierbabys lösen immer wieder starke Besucherströme aus. Zoos nutzen die faszinierende Anziehungskraft ihrer jüngsten Bewohner_innen gekonnt aus. Scharfe Kritik wird an zoologischen Einrichtungen geübt, die trotz fehlender oder unzureichender Ressourcen die künstliche oder natürliche Fortpflanzung der Tiere fördern. Als Folge werden oft ältere oder weniger begehrte Tiere an andere Zoos, Forschungsinstitute, Tierversuchslabore oder Privatpersonen verkauft oder getötet und an andere Zootiere verfüttert. Dieses Vorgehen lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass Zoos – wie auch andere Unternehmen – nach Gewinnmaximierung streben.


Zoobesucher_innen wollen unterhalten werden, Tiere aus der unmittelbaren Nähe beobachten und nicht durch ein Fernglas aus hunderten Metern Entfernung. Aufgrund dieser Unterhaltungslust leben Millionen Tiere in Gefängnissen. Das Leben der Zootiere gleicht einer lebenslangen, zu Unrecht verhängten Haftstrafe. Dem Unterhaltungsfaktor in Zoos wird eine immer größere Rolle zugeschrieben. So gehören Futtershows zum festen Bestandteil der Zoos. Streichelzoos, Ponyreiten und Shows mit dressierten Tieren mögen bei Zoobesucher_innen beliebt sein, führen aber zu unvorstellbarem Stress und Leid bei den Tieren.

Bildung

Neben dem Unterhaltungswert, den manche Menschen einem Zoobesuch zuschreiben, argumentieren viele, dass Kinder in zoologischen Einrichtungen Respekt gegenüber anderen Lebewesen lernen und ihr biologisches Wissen erweitern. Doch die Zurschaustellung von hinter Gittern lebenden Tieren vermittelt das Bild, dass Menschen berechtigt seien andere Lebewesen ihres natürlichen Lebensraums zu berauben, um sich an ihrem Anblick zu ergötzen. Respekt vor anderen Lebewesen bedeutet, ihre Lebensräume zu erhalten anstatt sie zu zerstören. Respekt vor anderen Lebewesen bedeutet auch die Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens anstatt durch Gefangenschaft Freiraum und Auslebung der Triebe zu verhindern und die Tiere durch künstliche Befruchtung zur Fortpflanzung zu zwingen.

In den wenigsten Fällen sind Zoos in der Lage, das natürliche Verhalten der Tiere den Besucher_innen näherzubringen. Die unter ungenügenden Beschäftigungsmöglichkeiten und zu kleinen Gehegen leidenden Tiere entwickeln unnatürliche Verhaltensweisen und psychische und physische Krankheiten: Frustration, Depressionen und Stress werden oft an Zootieren beobachtet. Viele der gefangenen Tiere entwickeln Verhaltensstörungen, etwa in Form von Stereotypien. Das sind monotone, sich wiederholende Handlungen ohne Funktion oder Ziel. Beispiele dafür sind das Weben bei Elefanten (andeutende Schritte, schwingender Rüssel, nickender Kopf), Kreiswandern bei Großkatzen und Federrupfen bei Vögeln. Weitere Krankheitssymptome, die aus dem Freiheitsentzug resultieren, sind Stangenbeißen, Essen von und Spielen mit Kot sowie Selbstverstümmelung.

Zoobesucher_innen werden in der Regel wenig über das natürliche Verhalten der Tiere erfahren. Sie lernen hingegen, wie sich gelangweilte, depressive und frustrierte Tiere in kleinen Gehegen verhalten.

Artenschutz und Forschung

Laut der Weltnaturschutzorganisation sind beinahe 20.000 Tier- und Pflanzenarten der 60.000 bekannten und dokumentierten Arten vom Aussterben bedroht, somit beinahe jede dritte Art. Artensterben hat es in der Erdgeschichte immer gegeben, doch der Mensch beschleunigt dieses in unvorstellbarem Ausmaß. Die Hauptursachen für das Artensterben sind Lebensraumverlust, Klimawandel, Jagd und Überfischung. Wirklicher Artenschutz beginnt mit dem Schutz der Arten vor Ort in ihrem natürlichen Lebensraum und nicht bei der Züchtung und Haltung von Tieren in zoologischen Einrichtungen.

Von den in deutschen Zoos gehaltenen Tierarten sind lediglich 2 % vom Aussterben bedroht. Es kann angenommen werden, dass die Situation in österreichischen Zoos sehr ähnlich ist. In Gefangenschaft lebende Tiere können (beinahe) nie ausgewildert werden, da sie die in der Wildnis benötigten Verhaltensweisen nicht erlernen und ihre Instinkte durch die Gefangenschaft verkümmern.

Die Größe der Gehege entspricht nur in den seltensten Fällen jener im natürlichen Lebensraum. Bei großen Raubtieren ist eine artgerechte Haltung schlichtweg nicht möglich. Während die Reviergröße eines Löwen 20-400 km2 (abhängig von Nahrungsangebot und Rudelgröße) beträgt, sind deren Gehege in Zoos oft nur circa 1 km2 groß (so etwa im Zoo Leipzig und Zoo Zürich). Die meisten Tiere haben einen starken Bewegungsdrang, dem sie in Zoos nicht nachkommen können. Elefanten etwa wandern bis zu 80 Kilometer täglich, bei Eisbären sind es sogar bis zu 100 Kilometer.

In einem Zoo leben Tiere unter denselben klimatischen Bedingungen zusammen, obwohl ihre natürlichen Lebensräume rund um den Globus verstreut sind. Die Durchschnittstemperatur in der Arktis – der Heimat des Eisbären – beträgt -18°C, während die Eisbären im Tiergarten Schönbrunn die Wiener Durchschnittstemperatur von +12°C ertragen müssen, einen Unterschied von 30°C!

Immer wieder dringen Nachrichten von getöteten Tierpfleger_innen und Zoobesucher_innen an die Öffentlichkeit. Einerseits werden diese Unfälle auf Unachtsamkeit der Pfleger_innen zurückgeführt, anderseits greifen manche Tiere die Pfleger_innen „aus dem Nichts“ an, so etwa ein Elefant, der einen Pfleger im Tiergarten Schönbrunn tödlich verletzte (Februar 2005) oder ein Orkawal in SeaWorld, der bis zum heutigen Tag für drei Todesfälle verantwortlich gemacht wird (1991, 1999, 2010).

Fallbeispiel – Löwe in Dänemark

Das Schicksal eines jungen Löwenmännchens lässt die „Funktionen“ eines Zoos – Unterhaltung, Bildung, Artenschutz – in einem skurrilen Licht erscheinen: Im Februar 2015 wurde in einem dänischen Zoo ein neunmonatiger Löwe eingeschläfert – nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern aus Platzmangel und befürchteter Inzuchtgefahr. Als wäre sein Leben in Gefangenschaft und seine unvertretbare Tötung nicht skandalös genug, so wurde der Leichnam für Monate tiefgekühlt, um im Rahmen einer Kindervorstellung öffentlich seziert zu werden. So musste der Löwe auch als Toter noch als Unterhaltungsobjekt und zur anatomischen „Bildung“ herhalten.

Zoo-Alternativen

Lebenshöfe:

In Lebenshöfen finden verschiedenste Tierarten ein langfristiges, liebevolles Zuhause. Lebenshöfe wie das Tierparadies Schabenreith (Oberösterreich) und Rinderwahnsinn (Niederösterreich) können unter anderem im Rahmen eines Tags der offenen Tür besucht werden und bieten außerdem Übernachtungsmöglichkeiten an.

Wildtierbeobachtung in ihrem natürlichen Lebensraum:

In Österreich sind zahlreiche faszinierende Wildtiere beheimatet, die bei Wanderungen beobachtet werden können. Alle österreichischen Nationalparks bieten Führungen an.

Dokumentationen:

Die seit Jahrzehnten beliebte Serie Universum und andere Dokumentationen führen ihre Zuseher_innen rund um den Globus und überzeugen mit beeindruckenden Filmmaterial und vielen Informationen über die Tier- und Pflanzenwelt.

Bücher:

Zahlreiche exzellente Bildbände, Fachbücher und Romane vermitteln Groß und Klein Wissen über Tiere. Das Bilderbuch „Vegan aus Liebe“ erklärt kindergerecht, warum wir vegan leben sollten und thematisiert die Ausbeutung von Tieren zu Unterhaltungszwecken. „Zoo“ (Ausgabe 07/2015 der Tierstudien, Neofelis Verlag) diskutiert die Begegnung von menschlichen und nicht-menschlichen Tieren in dieser künstlichen Einrichtung und stellt die historische Entwicklung von Zoos und deren Alternativen vor.

Tierheime:

Durch freiwilliges Engagement in einem Tierheim lernen Erwachsene und Kinder nicht nur viel über die jeweiligen Bewohner_innen, sondern auch über Verantwortung und den richtigen Umgang mit Tieren.

Bildquelle Orang-Utan: Fotolia|geenamp