Offizielle Institutionen empfehlen vegane Ernährung | Vegane Gesellschaft Österreich

Offizielle Institutionen empfehlen vegane Ernährung

20.04.2017

Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen hat eine Stellungnahme zur veganen Ernährung veröffentlicht. In der von der Nationalen Ernährungskommission verfassten Empfehlung warnt das Bundesministerium vor einem Nährstoffmangel bei veganer Ernährung. Eine ausreichende Versorgung sei mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich. Neben Vitamin B12 werden als potentiell kritische Nährstoffe auch Proteine, langkettige Omega-3-Fettsäuren sowie Riboflavin, Kalzium, Eisen, Jod, Zink und Selen aufgelistet. Im Speziellen wird von einer veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im gesamten Kindes- und Jugendalter „dringend abgeraten“.

Internationale Empfehlungen: Vegane Ernährung ist gesund in jeder Lebensphase

Die Empfehlungen des österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen widersprechen somit jenen vieler anderer Länder, die eine gut geplante vegane Ernährung in jeder Lebensphase für gesund halten und darüber hinaus den präventiven Charakter einer pflanzlichen Ernährung hervorheben. So schreibt beispielsweise die US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics in ihrem ausführlichen Positionspapier zu vegetarischen Ernährungsformen:

„It is the position of the Academy of Nutrition and Dietetics that appropriately planned
vegetarian, including vegan, diets are healthful, nutritionally adequate, and may provide health benefits in the prevention and treatment of certain diseases. These diets are appropriate for all stages of the life cycle, including pregnancy, lactation, infancy, childhood, adolescence, older adulthood, and for athletes.“

Diese Position wird von Fachgesellschaften in vielen anderen Ländern unterstützt, beispielsweise dem National Health and Medical Research Council in Australien [1], dem portugiesischen National Programme for the Promotion of a Healthy Diet [2] oder auch der British Nutrition Foundation [3].

Nährstoffmängel und ernährungsassoziierte Erkrankungen bei einer omnivoren Durchschnittskost

Wie der österreichische Ernährungsbericht von 2012 belegt, sind etwa 40 % der omnivoren Erwachsenen übergewichtig, davon 12 % adipös. Auch bei Kindern steigen Übergewicht und damit einhergehend sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck dramatisch an: Gut ein Fünftel der Mädchen und gut ein Viertel der Buben im Alter zwischen 7 und 14 Jahren sind bereits übergewichtig, darunter knapp 6 bzw. 9 % adipös. Zudem bestehen deutliche Nährstoffmängel: So wird beispielsweise die wünschenswerte Menge an Ballaststoffen weit unterschritten und genauso liegen die Aufnahmemengen an Folsäure deutlich unter den Empfehlungen. Auch die fettlöslichen Vitaminen liegen mit Ausnahme von Vitamin K häufig unterhalb der Referenzwerte; teilweise werden zu wenig Vitamin B1, B2 und C aufgenommen. Ebenso gibt es Defizite bei Kalzium, Eisen, Jod, Zink und Selen. Der Versorgungszustand der österreichischen Bevölkerung macht somit einen dringenden Handlungsbedarf insbesondere in Hinblick auf die hohe Prävalenz von Übergewicht, den zu hohen Konsum an Fleisch und Fleischwaren sowie einen zu geringen Verzehr von frischem Obst und Gemüse deutlich.

Nährstoffanreicherung als alltäglicher Bestandteil der österreichischen Ernährung

Die vorangehenden Beispiele zeigen, dass weder eine omnivore noch eine vegane Ernährung automatisch gesund ist, sondern es immer auf die richtige Umsetzung ankommt. Wer sich gesund ernähren möchte, muss sich informieren und die richtige Lebensmittelauswahl treffen. So kann mit omnivorer, vegetarischer oder auch veganer Ernährung ein Großteil der erforderlichen Nährstoffe abgedeckt werden. Dennoch gelten Nährstoffsupplementierungen wie die Jod-Anreicherung von Speisesalz, die Gabe von Vitamin D bei Säuglingen oder auch die Einnahme von Folsäure und anderen essentiellen Nährstoffen während der Schwangerschaft als selbstverständlich. Zahlreiche Nährstoffe werden auch indirekt supplementiert: Sie werden dem Tierfutter beigefügt und gemeinsam mit dem Fleisch, der Milch oder den Eiern vom Menschen aufgenommen. Während mit einer veganen Ernährung besonders viele Vitamine, inklusive der Folsäure, konsumiert werden, gilt Vitamin B12 als kritischer Nährstoff, der supplementiert werden muss. Die Versorgung kann jedoch ganz leicht mittels diverser Supplemente, angereicherter Lebensmittel oder auch angereicherter Zahnpasta sichergestellt werden.

Vorteile einer veganen Ernährung

Ist für ausreichend Vitamin B12 gesorgt und die vegane Ernährung sorgfältig und abwechslungsreich zusammengestellt, hat sie zahlreiche gesundheitliche Vorteile, wie etwa eine hohe Zufuhr an Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen, vielen Vitaminen und Mineralstoffen und damit einhergehend die Prävention von Übergewicht und vieler chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Krebserkrankungen. Dies belegen zahlreiche Studien wie die Adventist Health Study aus den USA oder die EPIC Oxford Study aus England [4].

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Referenzen

  • [1] National Health and Medical Research Council (Hg). Eat for health. Australian dietary guidelines. National Health and Medical Research Council, Canberra (2013)
  • [2] National Programme for the Promotion of a Healthy Diet, Direção-Geral da Saúde (Hg). Guidelines for a healthy vegetarian diet. Lissabon (2015)
  • [3] Phillips F (2005) Vegetarian nutrition. Nutrition Bulletin 30: 132–167
  • [4] Appleby PN, Key TJ (2016). The long-term health of vegetarians and vegans. Proc Nutr Soc. 75 (3): 287-93.