Tierfreundliche Kinderbücher-Teil 1 | Vegane Gesellschaft Österreich

Tierfreundliche Kinderbücher-Teil 1

30.05.2017

Vegan lebende Eltern stehen früher oder später vor der großen Herausforderung, ihren Kindern ehrlich, einfühlsam und altersgerecht zu erklären, warum alle Lebewesen ein Recht auf Leben haben und es falsch ist diese für Fleisch, Milch, Eier, Leder oder andere Produkte auszubeuten. In vielen Kinderbüchern spielen Tiere eine Rolle, die jedoch das vorherrschende, gesellschaftliche Bild der Überlegenheit der Menschen über andere Lebewesen reproduziert. In Bauernhof- und Zoogeschichten wird Kindern oft vermittelt, dass es normal und natürlich sei, Tiere zum „Nutzen“ des Menschen zu halten.

Kinder sind meist sehr tierliebend und wollen anderen Lebewesen kein Leid zufügen. Empathie kann besonders in jungen Jahren gefördert werden, wozu sich die folgenden Kinderbücher eignen. Behandelt werden nicht nur tierrechtsrelevante Themen wie Tiere zu Nahrungs- oder Unterhaltungszwecken, sondern auch der Prozess des Veganwerdens und Umgang mit kritischen Stimmen von nicht veganen Menschen.

Warum wir keine Tiere essen: Ein Buch über Veganer, Vegetarier und alles Lebendige

Ruby Roth
Echo Verlag
48 Seiten
€ 15,40

Ruby Roths „Warum wir keine Tiere essen“ gehört definitiv zu den Klassikern der Vegan-Kinderbücher und das aus gutem Grund: Mithilfe von wunderschönen Bildern erklärt sie ihren Leser_innen, dass alle Lebewesen auf der Erde Gefühle haben und in Freiheit leben möchten. Kinder werden durch das Buch zum Nachdenken angeregt, ohne ihnen schlaflose Nächte zu bereiten. Sie sollen hinter die Fassaden eines zwiespältigen Systems blicken, in denen „Haustiere“ geschützt und geliebt und „Nutztiere“ ausgebeutet und getötet werden. Auch die Themen Hunger und Umweltzerstörung werden in Bezug zur Tierhaltung erläutert. „Warum wir keine Tiere essen“ ist ein Plädoyer für Respekt vor allen Erdlingen. Auf knapp über 40 Seiten wird anschaulich, informativ, bewegend und einfühlsam dargestellt, wie Hühner, Schweine, Kühe und Co. in ihren Tierfamilien leben möchten und zu welchem Leben in Tierfabriken die Menschen sie zwingen. Auch Erwachsenen verleiht das Buch einen gewaltigen Motivationsschub sich für Tiere (weiterhin) einzusetzen.

Vegan aus Liebe: Fass dir ein Herz und werde aktiv

Ruby Roth
Echo Verlag
44 Seiten
€ 15,40

„Vegan aus Liebe“ ist das zweite Kinderbuch von Ruby Roth. Die Botschaft ist klar: Jeder und jede kann die Welt durch einen veganen Lebensstil zu einem besseren Ort machen. Während „Warum wir keine Tiere essen“ hauptsächlich die tierische Landwirtschaft behandelte, thematisiert dieses Buch die Ausbeutung von Tieren in der Modeindustrie, Tierversuchen, Unterhaltungsindustrie (Zoo, Zirkus, Stierkampf, …). Ruby Roth zeigt Alternativen zu tierleidvollen Produkten und Praktiken auf. Auch gesundheitliche und ökologische Aspekte der Tierhaltung, wie Regenwaldzerstörung, Überfischung, Klimawandel und Artensterben, werden thematisiert. Das Buch klärt auf, in welch breiten Dimensionen Tierausbeutung stattfindet, macht aber auch Mut sich für Tiere einzusetzen! Das Buch endet mit inspirierenden Worten: „Wenn man sich für ein veganes Leben entscheidet, ist das besonders mutig. Es bedeutet, dass du für dich selbst und alle anderen Lebewesen einstehst – und das ist Liebe. Unsere Entscheidungen können viel bewirken.“

Lass mich frei!

Patrick George
Moritz Verlag
54 Seiten
€ 13,40

Das Bilderbuch „Lass mich frei!“ stellt am Ende die Frage „Welches Tier würdest du retten?“, kommt auf den übrigen Seiten jedoch ohne Worte aus. Durch Umblättern von transparenten Seiten können Tiere befreit und in ihren natürlichen Lebensraum gebracht werden. Da die Bilder nicht textlich beschrieben werden, können Eltern individuell entscheiden, wie sie ihren Kindern am besten Tierhaltung und -ausbeutung erklären. Kinder lernen spielerisch, dass ein Elefant in die Savanne gehört, nicht in den Zirkus. Ein Elch in den Wald und nicht als Jagdtrophäe an die Wand. Hühner wollen auf einer Wiese leben und nicht mit hundert oder tausend anderen Artgenossen in einer Halle. Auf diese Weise thematisiert „Lass mich frei!“ unter anderem die Nutzung von Tieren als Nahrung (Hühner, Fische), Unterhaltung (Zoo, Jagd, Zirkus) und Mode (Leder, Pelz).

Schweinchen Hugo reißt aus

Alexander Bulk
Compassion Media Verlag
71 Seiten
€ 13,90

Schweinchen Hugo fragt sich, warum er getrennt von seiner Mama in einer anderen Stallbox leben muss und noch nie draußen war. Er erfährt, dass Tiere von Menschen gehalten werden, damit sie deren Fleisch, Milch und Eier essen können. Daraufhin plant Hugo mit seiner Freundin Mathilda einen spektakulären Ausbruchversuch und bringt alle Tiere des Bauernhofs in die Freiheit. Im Anschluss an die Geschichte werden Rezepte und auf Lebenshöfen wohnende Schweine vorgestellt. Das Buch ist für Volksschulkinder mit gewisser Lesekompetenz geeignet, aber auch zum Vorlesen ab dem Kindergartenalter. Kinder lernen im Buch, dass Schweine wie Menschen unterschiedliche Persönlichkeiten und Bedürfnisse haben, aber alle ein Recht auf Leben.

Schweinchen Schlau: Mein Papa gehört mir!

Udo Kasper Taubitz
Echo Verlag
40 Seiten
€ 14,30

Schweinchen Schlau ist empört und traurig, denn der Bauer will seinen Papa töten, um aus ihm Würste, Leder und Gelatine zu machen. Während die anderen Schweine verzagen, verliert Schweinchen Schlau nicht den Mut und tüftelt an Alternativen und kocht leckere, tierfreie Würstchen. Der Bauer ist begeistert und auch von den anderen Dingen wie Agar-Agar-Gummibärchen und Kunstleder überzeugt. Er verspricht seine Schweinemast aufzugeben. Das Thema Tierhaltung und Schlachtung wird überaus kindergerecht erzählt und somit kann mit „Schweinchen Schlau“ Kindern ab etwa 4 Jahren erklärt werden, warum man Tiere nicht essen soll. Die liebevollen Illustrationen werden ergänzt von schönen, emotionalen Reimen: „Ich glaub, ich hab mich wohl verhört! Du willst mir meinen Papa rauben? Das kann ich leider nicht erlauben! Zwar bin ich nur ein kleines Tier, doch mein Papa, der gehört zu mir!“

Karl Klops, der coole Kuhheld

Udo Kasper Taubitz
Echo Verlag
64 Seiten
€ 13,30

Als Karl Klops beschließt kein Fleisch mehr zu essen, schicken ihn die beunruhigten Eltern auf den Bauernhof von Onkel Tom, um ihm seine vegetarischen Flausen auszutreiben. Von der Nachbarin erhält Karl einen Zaubertrank und kann einige Stunden mit Tieren sprechen. Die Kühe erzählen ihm, wie sehr sie um ihre Kinder trauern und dass die Menschen ihre Milch, die eigentlich für ihre Babys ist, stehlen. Karl überzeugt seinen Onkel, dass die Tiere in Freiheit leben sollten und so wird der Bauernhof zu einem Lebenshof umfunktioniert. „Karl Klops“ ist die Geschichte von einem mutigen Jungen, der sich trotz scharfer Kritik seiner Familie für seine Überzeugung und Tierrechte einsetzt. Das Buch regt zum Nachdenken an, ist teils lustig, teils traurig, aber auf jeden Fall inspirierend und aufklärerisch. Das idyllische Bild vom Bio-Bauernhof wird kritisch betrachtet, gemeinsam mit dem Bauer und der Bäuerin werden Lösungen gesucht. Das Buch ist ab dem Volksschulalter geeignet.

Wuschel Geschichten

Schlunz
GrünerSinn-Verlag
116 Seiten
€ 20,60

Der junge Bär Wuschel führt ein modernes Leben – er wohnt in einem Haus, trägt Hosen und Halsketten und hat bunte Haare. Er lernt, dass moderne Bären keine Tiere essen müssen oder sollen, und entscheidet sich fortan vegan zu leben. Gleichzeitig lernt er, dass er sich nicht in die Natur einmischen sollte und es für viele Wildtiere unausweichlich ist, Fleisch zu essen. Mit der Figur des fiktiven, modernen Bären wird Kindern erklärt, dass moderne Menschen keine tierischen Produkte essen sollten. Außerdem erfährt Wuschel, wie Schweine von Menschen gehalten werden und befreit daraufhin das Schweinchen Rosa, das seine beste Freundin wird und bei ihm zu Hause einzieht. „Wuschel Geschichten“ vermittelt Kindern ab dem Kindergartenalter, auf einfühlsame Weise und ohne sich grausamer Fakten zu bedienen, dass alle Lebewesen wertvoll und empfindsam sind und ein Recht auf ein Leben ohne Ausbeutung haben.

Noch mehr Wuschel Geschichten

Schlunz
GrünerSinn-Verlag
112 Seiten
€ 20,60

In der Fortsetzung vom beliebten Kinderbuch „Wuschel Geschichten“ erlebt der Protagonist, der Bär Wuschel, weitere spannende Abenteuer. Der Autor versteht es kindgerecht zu erklären, was mit Lebewesen in der tierischen Landwirtschaft passiert, wie man mit negativen Stimmen zu Veganismus umgeht und andere versuchen kann zu überzeugen, weniger oder keine tierischen Produkte zu konsumieren. Auch das Konzept des Karnismus wird anschaulich thematisiert. Papa Bär versteht zunächst überhaupt nicht, warum sein Sohn plötzlich vegan ist, doch auch er beschließt sich fortan rein pflanzlich zu ernähren. Wuschel freut sich, seinen Freund_innen von seiner neuen Lebensweise zu erzählen, wird von einem Mitschüler jedoch gehänselt, dass ein echter Bär andere Tiere essen müsse. Besonders diese Geschichte macht „Noch mehr Wuschel Geschichten“ zu einem hervorragenden Kinderbuch, erinnert viele Kinder bestimmt an eigene Erlebnisse und hilft ihnen, damit umzugehen.

Max & Fine

Marco Mehring
tredition Verlag
143 Seiten
€ 14,30

Die kleine Fine lebt neben einem Bauernhof, wo ihre beste Freundin, die Kuh Luise, wohnt. Immer wieder fallen ihr merkwürdige Dinge auf, so verschwinden Kälber und Kühe und kommen nie wieder zurück. Fine findet heraus, dass Kuhmüttern ihre Kinder kurz nach der Geburt weggenommen und dass Tiere wegen ihrer Milch und ihrem Fleisch gehalten und getötet werden. Als Fine das Kälbchen von Luise namens Max alleine, weinend in einer kleinen Einzelbox findet, beschließt sie ihn zu befreien, um ihm vor seinem Schicksal im Schlachthaus zu retten. Wenig überraschend erfahren die Eltern von der Rettungsaktion, doch sie sind so gerührt von Fines Mitgefühl und sehen ein, dass es falsch ist Müttern ihre Kinder und deren Milch zu stehlen. Max und Luise leben von da an auf einer Weide hinter dem Garten von Fine. Der Autor versteht es zu zeigen, dass wundervolle, innige Freundschaften auch zwischen Mensch und Tier existieren. Besonders überzeugend und einleuchtend werden Vergleiche zwischen der menschlichen Mutter-Kind-Beziehung und jener zwischen Kuh und Kalb gezogen. Ebenso wird die speziesistische Behandlung von „Nutztieren“ und „Haustieren“ in Frage gestellt. „Max & Fine“ ist für Leseanfänger_innen etwa ab der zweiten Klasse Volksschule geeignet.

Max & Fine 2 – Henri haut ab

Marco Mehring
tredition Verlag
195 Seiten
€ 17,40

Während im ersten Band die Milchwirtschaft im Zentrum der Kritik steht, wird in „Max & Fine 2 – Henri haut ab“ die Haltung von Hühnern thematisiert. Als Fine eines Abends im Wald das Küken Henri findet, erklären ihr die Eltern, dass Hühner nur gehalten werden, da die Menschen an ihren Eiern und ihrem Fleisch interessiert sind. Im Wald hinter ihrem Haus befindet sich eine Brüterei, die durch Bestreben der Dorfbewohner im Laufe der Geschichte geschlossen wird. Auch der Bauer aus dem ersten Band hat einen Sinneswandel erlebt, er hat seinen Bauernhof in einen Lebenshof verwandelt. Mutter-Kind-Beziehungen werden beschrieben, ebenso weitere natürliche Bedürfnisse von Hühnern, die sie unter der Haltung von Menschen nicht ausüben können. Durch verschiedene Beispiele wird mit dem idyllischen Bauernhof-Bild aufgeräumt. Detailliert und dennoch kindgerecht werden die verschiedenen „Stationen“ im Leben eines Huhns skizziert, angefangen von Lege- und Brutbetrieben, bis Aufzuchtstationen und dem Ende im Schlachthaus. Besonders hervorzuheben ist der Abschnitt über vegane Ernährung mit Rezepten und Empfehlungen, wie Eier in der Küche ersetzt werden können. Den Abschluss des Buches bilden Hintergrundinformationen über Hühner und deren Lebensbedingungen. Trotz der Behandlung eines traurigen Themas wird eine positive Botschaft vermittelt, dass man mit einem veganen Lebensstil viel bewirken kann.