Viele Medien geben Studie zu Kinderernährung nicht korrekt wieder | Vegane Gesellschaft Österreich

Viele Medien geben Studie zu Kinderernährung nicht korrekt wieder

20.04.2018

Am Donnerstag wurden in Berlin erste Ergebnisse der VeChi-Studie (Vegetarian and Vegan Children Study) vorgestellt. Diese untersucht, was Kinder in Deutschland essen, wie gut sie mit Nährstoffen versorgt sind und wie sich vegan, vegetarisch und mit Mischkost ernährte Kinder unterscheiden.

Im ersten Teil der Studie wurden die Daten von 364 1- bis 3-Jährigen untersucht. Drei Tage lang hatten ihre Eltern alle verzehrten Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel gewogen und protokolliert. Zusätzlich wurden Körpergröße und -gewicht des Kindes sowie Daten zur Gesundheit erfragt.

Ergebnis: Vegane Ernährung funktioniert

Studienleiter Dr. Markus Keller sieht es als wichtiges Ergebnis der Studie, „dass sowohl die vegetarisch und vegan ernährten Kinder als auch die Mischköstler eine vergleichbare und normale Entwicklung von Körpergewicht und Körpergröße zeigen.“ Dies sei ein Hinweis darauf, dass eine vegane Ernährung im Kleinkindalter möglich ist.

Etwa 90 % der vegetarisch und vegan ernährten Kleinkinder zeigten im Durchschnitt eine normale Entwicklung von Körpergewicht und Körpergröße. 10 % der veganen sowie 6 % der vegetarischen Kinder lagen unterhalb der WHO-Referenzstandards. Bei den Mischkostkindern waren hingegen 3 % übergewichtig.

Vegane Kinder erreichten die besten Eisen-Werte

Bei vielen Nährstoffen zeigten die veganen Kinder die besten Werte: Die Zufuhr von Eisen und Folat lag bei ihnen durchschnittlich 45 – 50 % höher als bei Mischköstler_innen, bei Vitamin C zeigten sie eine 30 % höhere Aufnahme. Die Kalziumzufuhr war hingegen nicht nur bei veganen Kindern zu niedrig, sondern auch bei omnivoren.

Verzerrung der Studienergebnisse

Während die Studienautoren zu dem positiven Fazit kamen, dass eine vegane Ernährung im Kleinkindalter bedarfsdeckend sein kann, veröffentlichen derzeit viele Medien Artikel mit provokativen Überschriften, beispielsweise: „Zehn Prozent der vegan ernährten Kinder sind zu klein“. Dies hinterlässt den Eindruck, eine vegane Ernährung würde bei Kindern zu Mangelerscheinungen und gravierenden Wachstumsstörungen führen. Hier wird gänzlich außer Acht gelassen, dass die überwiegende Mehrheit der veganen Kinder nicht nur mit ihrer Größe innerhalb der WHO-Referenzstandards lag, sondern zusätzlich sehr gut – und deutlich besser als viele omnivore Kinder – mit Nährstoffen versorgt war. Die Gründe, warum nur zwei Kinder etwas kleiner waren, sind unklar und können vielfältig sein: Genetische Ursachen sind ebenso möglich wie Auswirkungen von Wachstumshormonen aus Fleisch und Milch. Zudem ist nicht geklärt, ob die etwas geringere Körpergröße zweier Kinder negative Auswirkungen hat. Laut Studienleiter kann sie ein Anzeichen dafür sein, dass in diesem Fall die Kinder nicht optimal ernährt wurden. Dies ist jedoch bei jeder Art von Ernährung möglich, wie die übergewichtigen Kinder unter den Mischköstlern verdeutlichen. Übergewicht kann die Entwicklung von Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 begünstigen, die inzwischen auch im Kindesalter bereits dramatisch ansteigen.

Vollständige Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet

Aktuell werden die restlichen Ernährungsprotokolle ausgewertet und weitere Einflussfaktoren, wie Alter, Geschlecht und sozioökonomischer Status in die Analysen einbezogen. Die Ergebnisse der VeChi-Studie sollen unter anderem dazu dienen, konkrete Ernährungsempfehlungen für vegan ernährte Kleinkinder zu entwickeln. Die finalen Ergebnisse werden für Ende 2018/Anfang 2019 erwartet und können dann unter www.vechi-studie.de abgerufen werden.

Foto: Fotolia | Konstantin Yuganov