Interview mit Dariadaria | Vegane Gesellschaft Österreich

Interview mit Dariadaria

02.01.2017

Ich habe mich mit der sympathischen Bloggerin Madeleine Alizadeh, alias Dariadaria, bei einer Tasse Kaffee und veganen Sandwiches getroffen, um mit ihr über Mode, die vegane Lebensweise, Nachhaltigkeit und wie man das alles unter einen Hut bringen kann, zu plaudern. Die 27-jährige Wienerin betreibt ihren Blog hauptberuflich und zwar so erfolgreich, dass er zu den meistgelesenen in Österreich zählt.

Dariadaria
Dariadaria

Du hast einen der erfolgreichsten Blogs in Österreich, wie kam es dazu?

Ich habe den Blog 2010 gestartet, nach einer 4-monatigen Reise in Asien, wo ich alleine unterwegs war. Es war eine Art Travel-Blog: Ich habe Fotos von der Reise für meine Freund_innen und Familie hochgeladen und Beiträge darunter geschrieben. Damals wusste ich noch nicht, dass man das eigentlich Blog nennt. Später habe ich mich dann auf einer Blog-Plattform registriert. Zuerst noch unter einem anderen Namen, ein Jahr später war dariadaria.com geboren.

Wie sieht dein persönlicher Werdegang zur veganen Lebensweise aus?

Vor 5 Jahren habe ich das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer gelesen und war dann ein Jahr vegetarisch. Aber irgendwie hat es noch nicht so richtig „Klick“ gemacht in meinem Kopf. Ende 2014 haben mein Freund und ich angefangen, nur noch einmal die Woche Fleisch zu essen, weil wir gemerkt haben, dass wir doch noch recht viel davon essen. Eines Tages ist er nach Hause gekommen und hat gesagt, dass er eine Dokumentation gesehen hat über die gesundheitlichen Nachteile von tierischem Eiweiß. Daraufhin haben wir unseren Milchkonsum stark eingeschränkt. Im Jänner 2015 schließlich habe ich ein Video über meine Neujahresvorsätze gemacht, bei dem ich gesagt habe, dass ich öfter vegan essen will, aber mir nie vorstellen könnte, ganz vegan zu werden. Drei Monate später war ich dann aber doch ganz vegan (lacht).

Wie war die Umstellung auf deinem Blog? Wie ist sie von deinen Leser_innen angenommen worden?

Ich war sehr vorsichtig am Anfang. Bei nachhaltiger Mode hatte sich die Umstellung auf meinem Blog quasi von Null auf Hundert vollzogen. Dabei habe ich gemerkt, dass es eher schlecht ist, wenn ich sage: „Ich bin das-und-das“, weil man dann ständig an irgendwas aufgehängt wird. Bei meinem Post, bei dem ich geschrieben habe, dass ich mich nun ganz vegan ernähre, hat jemand gefragt: „Bist du jetzt Veganerin?“ Meine Antwort war, dass ich keine Garantie geben möchte. Ich habe damit versucht, einen Puffer zu kreieren: Ich habe gesagt, dass ich noch alte Sachen tragen werde, wie zum Beispiel Second-Hand-Wollpullis und ähnliches. Ich hatte auch noch große Angst vor diesem Schritt. Eigentlich wurde es aber großteils sehr positiv aufgenommen. Mir schreiben heute noch täglich Menschen, die mitteilen, dass sie durch meinen Blog jetzt auf vegan oder vegetarisch umgestiegen sind. Das freut mich sehr!

Deine Begeisterung fürs Reisen und Fotografieren spiegelt sich wunderschön in deinen Travelguides wieder. Unlängst hat es dich nach Gaza verschlagen, allerdings mit einem weniger erholsamen Hintergrund: die Schließung des Khan Younis Zoos. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Ich hatte von dem Zoo schon oft gehört. Deshalb war es für mich eine coole Chance, mit den Vier Pfoten zusammen dort selber hinzukommen, um den Zoo zu schließen. Viele meiner Freund_innen waren besorgt, als ich ihnen erzählt habe, dass ich nach Gaza gehen will. Ein mir bekannter Fotojournalist meinte, als er das letzte Mal dort war, habe er miterlebt, wie gerade eine Autobombe explodierte. Mein Interesse an dem Projekt hat dann aber überwogen. Es war insgesamt eine extrem anstrengende Mission und körperlich sehr fordernd. Emotional, als wir dort waren, nicht so sehr, weil ich mich währenddessen gar nicht darauf konzentrieren konnte. Ich habe das alles erst später verarbeitet, als ich zur Ruhe kommen konnte. Ich durfte dort den Tierärzten assistieren, bei den Untersuchungen helfen, die Tiere tragen. Dies war der schöne Aspekt für mich: Den Tieren so nahe sein zu können. Besonders ins Herz geschlossen habe ich das Reh. Es hatte zwei Tage zuvor sein Baby verloren und fürchtete sich beim Transport in den Holzcontainern. Ich habe ihm dann zugesprochen und es gestreichelt. Zu meiner Freude hat es sich dann tatsächlich beruhigt. Es war auch schön zu sehen, wie viele Menschen vor Ort mitgeholfen haben. Das Ganze hat sich so angefühlt wie die Arche Noah, es hatte schon etwas Biblisches. Es war unglaublich berührend, den Tiger in sein neues großes Gehege in Südafrika frei lassen zu können. Das sind solche Momente, in denen ich spüre: Das, was ich mache, ist richtig – und das gibt mir auch eine Bestätigung.

Um zur Mode zurückzukommen: Dein Blog thematisiert neben veganer vor allem auch faire Mode, ist es manchmal schwierig, dies zu vereinen?

Es kommt natürlich auch darauf an, wie streng man es nimmt. Ich versuche, so gut es geht, den Spagat zwischen vegan und ökologisch zu machen. Das Problem ist auch, dass viele theoretisch vegane Kleidung in Asien produzierte Kunststoffsachen sind, die nicht ökologisch abbaubar sind. Da tut man den Tieren am Ende des Tages auch nichts Gutes damit, wenn das Plastik dann im Wasser und in der Natur landet.

Oft geht das Vorurteil um, dass vegane und faire Mode automatisch unleistbar ist, stimmt das? Was rätst du Leser_innen mit kleinem Budget, die trotzdem auf das Kaufen von Billig-Mode verzichten möchten?

Das Problem bei den kleinen Marken ist halt die geringe Stückzahl. Da zahlt man dann automatisch mehr pro Kleidungsstück. Es gibt aber immer mehr auch größere Firmen, die mittlerweile komplett vegan und absolut leistbar sind. Außerdem gibt es einige Labels, die so „dazwischen“ sind. Also nicht 100 % vegan und fair, aber okay für mich. „American apparel“ hat zum Beispiel viele Sachen aus Baumwolle und produziert in den USA. Es gibt oft Grauzonen, an denen man sich am Anfang orientieren kann. Für Leute, die trotzdem sagen, dass es ihnen einfach zu teuer ist, ist second-hand dann wirklich das Beste. Ökologisch ist es am wertvollsten, es ist viel fairer als alles andere und viel günstiger. Man kann sehr schöne Sachen finden, die schon bestehen.

Wie siehst du die Entwicklung, dass vegan und nachhaltig immer mehr zum „Mainstream“ wird in Zusammenhang mit Mode? Spürst du positive Veränderungen von großen Modehäusern?

Definitiv. Der Zugzwang wird mit jedem Skandal, der kommt, immer größer. Man merkt auf jeden Fall, dass große Modehäuser sich auf diesen Trend jetzt draufsetzen. Natürlich ist es bei vielen Modehäusern wie H&M noch vergleichbar mit einem winzig kleinen Pflaster auf einer riesengroßen Wunde. Aber es hat sich viel verändert in den letzten 3 Jahren, auch dass die Leute jetzt überhaupt wissen, was vegan heißt. Dass damit beispielsweise auch der Kleber gemeint ist oder dass ein Lederpatch auf der Jeans diese dann eben nicht mehr vegan macht.

Du schreibst auf deinem Blog auch von den Schwierigkeiten, dem Anspruch, 100% nachhaltig leben zu wollen, gerecht zu werden. Was sind deine Tipps für einen alltagstauglichen und bewussten Konsum?

Man kann in so vielen Lebensbereichen anfangen. Ein Thema, das mir besonders wichtig ist, ist der Klimawandel. Ich finde es daher auch super, wenn Leute zumindest schon ein oder zwei Tage in der Woche auf Fleisch verzichten, denn dadurch haben sie schon Emissionen gespart. Man kann im täglichen Leben so viel machen. Thema „zero-waste“ zum Beispiel: Wenn man anfängt, sich Stoffsackerl mitzunehmen anstatt Plastiktaschen zu kaufen, in Unverpackt-Läden einkauft oder sich Kosmetik teilweise selber macht. Da gibt es so viele Möglichkeiten.

Hast du Tipps für Wintermäntel?

Man muss sich von der Idee trennen, dass ein Mantel 80 Euro kostet, so wie man es von den großen Billigmodehäusern gewöhnt ist. Dafür ist die 4:1-Regel sehr gut geeignet, denn kauft man billig, kauft man eigentlich teuer. Nur weil man ein Stück billig gekauft hat, heißt das nicht, dass man am Jahresende weniger Geld ausgegeben hat. Lieber ein hochwertiges Stück, das länger hält, einmal kaufen, anstatt vier billige. Schöne Mäntel gibt es bei Hoodlamb.com, derbeshop.de oder eher sportlich auf eu.patagonia.com.

Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben? Was sind zurzeit deine liebsten Mode-Trends?

Mein oberstes Kriterium, wenn ich etwas anziehe, ist, dass es gemütlich sein muss. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt und ich dann den ganzen Tag damit herumlaufen muss, fühle ich mich nicht wohl. Mein Stil ist während den Jahreszeiten ganz unterschiedlich. Im Winter ziehe ich gerne gedeckte Farben an und eher clean und schlicht. Im Sommer darf es gerne etwas futuristischer sein, auch mit ein bisschen 90er-Jahre-Einfluss. Besonders cool finde ich, dass jetzt wieder viel mehr Upcycling- und Second-Hand-Mode als Trend kommt.

Was bringt die Zukunft für dariadaria?

Ich möchte in Zukunft noch mehr soziale Projekte machen und könnte mir auch vorstellen, irgendwann mein eigenes Projekt zu starten. Ich mache alles eigentlich immer sehr intuitiv und spontan. In meinem Leben haben sich bisher immer alle Türen von selber geöffnet, ohne dass ich irgendetwas auftreten habe müssen. Deswegen versuche ich, mich gar nicht so sehr festzulegen. Irgendwann hätte ich aber gerne einmal einen Gnadenhof mit ganz vielen Seidenhühnern (lacht)!

Foto: Dariadaria