Interview mit Dr.in Rosa Aspalter über Essen und Krebs | Vegane Gesellschaft Österreich

Interview mit Dr.in Rosa Aspalter über Essen und Krebs

30.01.2017

Die Allgemeinmedizinerin Dr.in Rosa Aspalter ist überzeugt, dass eine vegane Ernährung zur Heilung von Krebs beitragen kann. Mit einer Ernährungsumstellung hat sie während ihrer eigenen Erkrankung sehr positive Erfolge erzielt. Da die wissenschaftlichen Untersuchungen auf dem Gebiet aber noch rar sind, hat sie die Studie „Essen und Krebs“ initiiert.

Frau Dr.in Aspalter, Sie waren selbst an Krebs erkrankt, als Sie Ihre Ernährung auf vegan umstellten. Der Krebs galt als inoperabel, heute sind Sie tumorfrei. Gleichzeitig hielten Sie jedoch Ihre Chemotherapie strikt ein. Welche Bedeutung, glauben Sie, kommt der Ernährungsumstellung zu?

Also, ich habe das Glück, dass ich zwei Phasen sauber voneinander trennen kann. Da gab es eine Phase, in der die medizinische Abklärung lief wegen meiner erhöhten Tumormarker (ein Laborbefund, der wichtig in der Tumornachsorge ist). Das dauerte. Dann die ganze Vorbereitung zur Chemotherapie. Bis diese starten konnte, vergingen 2-3 Monate. In diesen Monaten hatte ich also keinerlei Therapie, sondern nur die vegane Ernährung als einzige Änderung. Und bereits in dieser Phase begann der Tumormarker sich einzupendeln und sogar zu sinken! Das ist ungewöhnlich in einem solchen Stadium. Und als einzige Erklärung dafür habe ich nur die vegane Ernährung anzuführen!

Die größte Überraschung kam aber erst nach Beginn der Chemotherapie! Ich dachte, gut, jetzt wird wohl der Tumormarker wieder ansteigen, denn Tumorzellen zerfallen durch die Chemotherapie und damit schwimmt mehr davon im Serum. Aber nicht einmal das war mehr der Fall. Der Tumormarker sank und sank, nicht nur bis in den Normbereich, sondern sogar unterhalb die Nachweisgrenze. Das war tausendmal mehr als ich erwartet hatte. Und mittlerweile sind sogar meine CT-Befunde negativ!

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dass eine vegane Ernährung sich positiv auswirken könnte? Haben Sie dazu wissenschaftliche Studien gelesen?

Es waren die Versuche mit dem Aflatoxin, dem Schimmelpilzgift, welche Campbell, der Autor der China-Study, und auch andere durchführten. Es waren Tierexperimente und viele Studien wurden nur an Krebsvorstufen und nicht an echten Tumorzellen durchgeführt. Doch die Studienanordnungen waren präzise und es wurden sämtliche Tumorstadien – von den genetischen Veränderungen bis hin zur ersten entarteten Zelle und dann auch dem Tumorwachstum – untersucht. Die Daten waren so eindeutig, dass ich mir sagte: Lass das tierische Eiweiß! Und da in diesen Studien das Casein, also das Milchprotein, am schlechtesten abschnitt, wusste ich: Vegetarisch ist nicht genug – wenn, dann vegan. So wurde aus einer echten Fleischtigerin innerhalb weniger Wochen eine überzeugte Veganerin.

Inzwischen habe ich 4-5 Mechanismen gefunden, welche für diesen Effekt verantwortlich sein könnten. Von den unterschiedlichen Aminosäurezusammensetzungen angefangen über den pH-Wert des Milieus, die Methioninabhängigkeit vieler Krebszellen und anderes mehr.

Um mehr über den Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und Krebs zu erfahren, haben Sie die Studie „Essen und Krebs“ initiiert. In welchem Rahmen ist die Studie geplant?

Ja, also was mich fast erschüttert hat, das war die Tatsache, dass trotz dieser eindeutigen Hinweise das Thema nicht verfolgt wird. Auch wenn wir noch nicht genug Daten haben, um zu behaupten, dass Krebspatienten durch eine vegane Ernährung profitieren, so gibt es Hinweise genug, die uns veranlassen sollten, das wenigstens einmal zu untersuchen. Und nicht einmal das ist passiert! Oder halt nur in ganz rudimentärem Ausmaß.

Da zwar einzelne Ärzte sehr positiv dieser Studie gegenüber stehen, aber noch keine onkologische Abteilung als Ganzes diese Studie unterstützt, bin ich auf die Öffentlichkeit und den Einsatz der Betroffenen selbst sowie deren Angehörigen angewiesen, und so habe ich die Studie als Online-Studie aufgesetzt. Betroffene können sich auf der Webseite www.essenundkrebs.net anmelden und füllen drei Mal (zu Beginn, nach 3 und nach 6 Monaten) einen Online-Fragebogen aus. Jede_r Studienteilnehmer_innen wählt seine Ernährungsweise während dieser 6 Monate selbst und es wird dringend angeraten, die von Onkologen empfohlene Therapie und die Untersuchungen einzuhalten. Ich gehe davon aus, dass sich beides in der Wirkung gegenseitig unterstützt.

Wer kann an der Studie teilnehmen? Wo kann man sich melden?

Studienteilnehmer_innen können alle Krebsbetroffenen sein. Sie müssen zumindest 18 Jahre alt sein, müssen noch in Therapie oder zumindest in einem Nachsorgeprogramm stehen, welches regelmäßige Untersuchungen vorsieht. Das sind die wichtigsten Kriterien. Die Anmeldung ist auf der Webseite unter https://www.essenundkrebs.net/teilnehmen/ vorzunehmen.

Wann wird es erste Auswertungen geben?

Da die Anmeldung bis Ende des Jahres möglich ist und jeder Teilnehmer_innen 6 Monate teilnimmt, ist eine Auswertung ab Juni 2016 möglich. Das bedeutet, dass etwa im August 2016 Ergebnisse vorliegen werden.

Wo können sich Interessierte näher informieren?

Gerne auf www.essenundkrebs.net, per E-Mail an team@essenundkrebs oder unter 01 5861316-17.

Frau Dr.in Aspalter, herzlichen Dank für das Interview!

Das Interview ist im Vegan.at Magazin Nr.24 2/2015 erschienen.

Dr.in Rosa Aspalter in der Diskussionssendung Talk im Hangar-7 auf ServusTV zum Thema „Wie viel Fleisch ist gesund?“
















Dr.in Rosa Aspalter in Heute Konkret auf ORF 2 über Ernährung und Krebs