Genussrecht oder Fräulein Fratz und die Fütterung der Schweine | Vegane Gesellschaft Österreich

Genussrecht oder Fräulein Fratz und die Fütterung der Schweine

31.03.2017

Sandra Gutekunst
Genussrecht oder Fräulein Fratz und die Fütterung der Schweine

ISBN: 978-3981371116
1.Auflage: 2016
ArcaNova Verlag
311 Seiten
€ 12,90

„Genussrecht“ oder „Fräulein Fratz und die Fütterung der Schweine“ ist ein Roman von Sandra Gutekunst, der 2016 bei ArcaNova erschienen ist. Das Werk handelt von verschiedenen Personen, die mit dem Thema Veganismus konfrontiert werden.

Die Studentin Karo erbt von ihrer verstorbenen Großtante ein Häuschen im Schwarzwald. Inbegriffen sind zwei Schweine und eine schwangere Kuh, welche im Stall angebunden gehalten worden sind. Karo, die Tiere sehr gerne mag, weiß sofort, dass sie ihre neuen Mitbewohner_innen von ihrer Gefangenschaft befreien muss und baut für die Schweine ein Außengehege. Von den anderen Bäuerinnen und Bauern wird sie schief angeschaut, weil sie die „Nutztiere“ wie „Haustiere“ behandelt. Karo beginnt, ihre Ernährungsgewohnheiten zu hinterfragen und plötzlich kann sie ihren Latte Macchiato nicht mehr so genießen wie früher.

Schon bald begegnet sie ihrem Nachbarn Alex, der für eine Tierschutzorganisation arbeitet. Er liefert ihr wertvollen Input zum Thema Veganismus und hilft ihr auch manchmal bei den Arbeiten an ihrem kleinen Hof. Alex ist in dem ländlichen Dorf aufgewachsen und hat schon immer Probleme dabei gehabt, seine konservativen Eltern von seiner Lebensweise zu überzeugen.

Eine weitere Protagonistin ist Giddi, die in der PR-Abteilung eines Milchverbandes arbeitet. Sie gerät in eine Zwickmühle, weil sie unfreiwillig die Schattenseiten der Tierindustrie aufdeckt und am liebsten alles hinschmeißen würde, aber durch eine Kündigung wieder von ihren strengen Eltern abhängig wäre. Während ihrer Lebenskriese macht sie ebenfalls Bekanntschaft mit dem Tierschützer Alex.

Das Werk ist ein klassischer Vertreter des Romans. Wir beobachten die Protagonist_innen in ihrem alltäglichen Leben und werden mit ihrer Gefühlswelt konfrontiert. Wir erhalten Einblick in ihr Berufsleben und ihre Beziehungen, erleben mit, wie sie ihr Leben verändern und wie ihr Leben sie verändert. Die Autorin Sandra Gutekunst benutzt eine bildhafte Sprache und bringt die Leser_innen durch ihre absurd-lustigen Metaphern immer wieder zum Lachen. Der Roman ist äußerst unterhaltsam und eignet sich auch als Lektüre zum Entspannen nach einem langen Arbeitstag.

Trotz allem ist Veganismus ein sehr zentrales und ernst genommenes Thema. Im Vordergrund stehen die ethischen Bedenken, die Karo und Giddi entwickeln. Aber auch gesundheitliche und ökologische Aspekte werden uns durch Alex erläutert.

Es macht durchaus einen großen Unterschied, ob man den Roman als Omnivore_r oder als Veganer_In liest. Als Omnivore_r wird man langsam an das Thema herangeführt und lernt, welche Zwickmühlen einem begegnen, wenn man seine Lebensweise umstellt. Als Veganer_In hat man ordentlich etwas zu lachen, weil man viele der Situationen bereits so oder so ähnlich erlebt hat und nur zu gut nachempfinden kann, wie die Protagonist_innen sich fühlen. Die inneren Konflikte und die stereotypischen Reaktionen von Nachbar_innen und Freund_innen sind eindeutig aus dem Leben gegriffen.

Zu kritisieren ist, dass die informativen Absätze, in denen die Protagonist_innen zum Beispiel von Studien erzählen, manchmal zu lang sind. Für manche omnivore Leser_innen ist das zu viel Information auf einmal und Veganer_innen haben sich ohnehin über diese Dinge informiert. Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Werk, das unterhaltsam und informativ zugleich ist.

Zu bestellen ist der Roman direkt beim ArcaNova Verlag.