Das faule Geschäft mit den Eiern | Vegane Gesellschaft Österreich

Das faule Geschäft mit den Eiern

04.10.2016
Quelle: Fotolia|Szasz-Fabian Jozsef
Quelle: Fotolia|Szasz-Fabian Jozsef

Der Welt-Ei-Tag wurde von der International Egg Commission 1996 zur Steigerung des Eierkonsums ins Lebens gerufen und wird seitdem an jedem zweiten Oktoberfreitag gefeiert. Die von der Werbung vermittelten idyllischen Bilder von Hühnern, die glücklich gackernd durch Wald und Wiese laufen, entsprechend nicht den realen Lebensbedingungen der gefiederten Tiere. Denn wirft man einen etwas genaueren Blick auf die Lebensbedingungen der sogenannten “Legehennen” wird schnell klar, dass der Welt-Ei-Tag eine Feier der Ausbeutung von Hühnern ist. Wir möchten den Welt-Ei-Tag zum Anlass nehmen auf die Lebensbedingungen der Hennen aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass Eier in der Küche durch diverse Lebensmittel ersetzt werden können und sogar traditionelle Ei-Gerichte, wie Eierspeise und Eierlikör, rein pflanzlich hergestellt werden können.

Qualzucht – Vom Haushuhn zur Eiermaschine

Das Haushuhn stammt von dem in Südostasien beheimateten Bankivahuhn ab. Zur Profitmaximierung der landwirtschaftlichen Betriebe wurde die Rasse der sogenannten “Masthühner” so gezüchtet, dass sie möglichst schnell und viel Fleisch ansetzen und innerhalb weniger Wochen schlachtreif sind. Die Zucht der “Legehennen” dient dazu, dass die Hennen unnatürlich viele Eier legen. Während wildlebende Hühner etwa 40 Eier pro Jahr legen, sind es bei ihnen über 300 Eier. Die Hühner – egal ob in Boden- oder Biohaltung – leiden unter dem ständigen Eierlegen. Konsequenzen können Gelenksschmerzen, Knochenverformungen, Muskelschwäche, Herzprobleme und Osteoporose sein. Um Kämpfen unter den gestressten Tieren entgegenzuwirken, werden ihnen kurze Zeit nach dem Schlüpfen ihre hochsensiblen Schnäbel gestutzt – ohne Betäubung, mit brennend heißen Messern oder Metallen.

Ein Leben auf engstem Raum

Die Hennen leiden unter dem geringen ihnen zur Verfügung stehenden Platz und fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten. Besonders in der Käfig- und Bodenhaltung kommt es zu aggressivem Verhalten, Selbstverletzung, Kämpfen bis hin zu Kannibalismus. Doch die Freilandhaltung und Bio-Haltung sind ebenso keine hennenfreundliche Alternative. Auch hier dürfen bis zu 9 Hühner pro Quadratmeter gehalten werden. Die Rangordnung, bei Hühnern Hackordnung genannt, funktioniert nur bis zu einer Gruppengröße von 90 Hühnern, darüber hinaus können sie keine Rangordnung etablieren, was zu psychischen Problemen und Kämpfen führen kann. In der Boden- und Freilandhaltung dürfen allerdings 6.000 Tiere pro Stall gehalten werden, in der Bio-Freilandhaltung sind es 3.000 Tiere.

Lebenserwartung – Tod bei sinkender Produktivität

Die Lebenserwartung von in Freiheit lebenden Hühnern beträgt etwa 10 Jahre, während “Masthühner” mit 5-6 Wochen, wenn sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben, sterben. Die männlichen Küken der Rasse der “Legehennen” werden wenige Stunden nach dem Schlüpfen vergast, geschreddert oder in einer Mülltonne lebendig beseitigt (Prozess des sogenannten Sexing). Ihre weiblichen Geschwister werden etwa 12 Monate als Eiermaschine missbraucht, bis ihre Eierproduktionsleistung nachlässt und sie getötet werden. Eine Zweirassennutzung bzw. die Aufzucht von männlichen Küken der Hühnerrasse, die für den Menschen Eier legen muss, macht aus ökonomischen Gesichtspunkten keinen Sinn, da diese im Vergleich zu “Masthühnern” drei Mal so lange brauchen, um das Schlachtgewicht zu erreichen. So oder so ist der Tod für die Hühner unausweichlich, entgegengewirkt werden kann diesem nur durch Verzicht von Fleisch und Eiern!

Lebensbedingungen – Eine Frage der Haltung?

Käfighaltung

Die Käfighaltung ist seit 2009 in Österreich verboten und war bis dahin die häufigste Haltungsform. Ein Tier hatte etwa 550 cm2 Platz – weniger als ein DIN A4-Blatt. Sogenannte ausgestaltete Käfige sind in Österreich noch bis 2020 erlaubt, dürfen aber nicht mehr neu gebaut werden. In diesen Käfigen haben die Tiere 720 cm2 Platz. In der EU wurde die konventionelle Käfighaltung 2012 verboten, ein Ende der Hühnerhaltung in ausgestalteten Käfigen ist allerdings nicht in Sicht. Auch nach Österreich dürfen Käfigeier importiert werden. Im Einzelhandel werden sie zwar nicht mehr verkauft, jedoch im Großhandel. Besonders in der Gastronomie und in verarbeiteten Lebensmitteln werden noch Käfigeier eingesetzt.

Bodenhaltung

Gesetzlich dürfen 7-9 Tiere pro m2 gehalten werden. Die Besatzdichte ist abhängig von der Hallengestaltung. Wenn etwa mehrere Ebenen nutzbar sind, dürfen 9 Hühner pro m2 gehalten werden. Die Gruppengröße ist auf 6.000 Tiere pro Halle beschränkt.

Freilandhaltung

Den Tieren muss tagsüber ein Auslauf von 8 m2 zur Verfügung stehen. Die Mindestfläche in der Halle entspricht jener der Bodenhaltung (somit 7-9 Tiere pro m2). Ein Drittel der Stallfläche muss mit Streu ausgelegt sein und der Stall muss mit Sitzstangen ausgestattet sein.

Biologische Freilandhaltung

Jede Henne muss einen Auslauf im Freien von 10 m2 haben. Pro Quadratmeter Stall dürfen 6-7 Hennen gehalten werden. Wie bei der Freilandhaltung muss ein Drittel der Stallfläche mit Streu ausgelegt sein und Sitzstangen vorhanden sein. Pro Stall dürfen maximal 3.000 Tiere gehalten werden. Weiters ist der prophylaktische Einsatz von Medikamenten verboten und die Fütterung von biologischer Nahrung vorgeschrieben.

Auf unserer Website finden sich mehr Informationen über das Leben von Hühnern und Puten und bewegende Geschichten über das unterschiedliche Leben von “Legehennen” und Hühnern in Freiheit.

Status Quo – Eierproduktion und -konsum in Österreich

Besonders zu Ostern und Weihnachten werden besonders viele Eier gegessen, im Durchschnitt sind es etwa 230 Eier pro Kopf und Jahr in Österreich. Hierzulande werden jährlich 80 Millionen Hühner geschlachtet, was in etwa 10 Hühner pro Einwohner entspricht. Laut Branchenschätzungen werden etwa 90 % der Eier weltweit in Käfighaltung hergestellt. In Österreich stammt der Großteil der Eier aus Bodenhaltung (ca. 68 %), gefolgt von Freilandhaltung mit 21 % und Biohaltung mit 11 %.

Kochen und Backen ohne Ei

Eier werden seit langem in der Küche zum Binden und Auflockern von Speisen verwendet. Doch flaumige Kuchen, herzhafte Omeletts und sogar Eierlikör lassen sich auch hervorragend ohne Tierleid herstellen. Eier können mit fertigem Ei-Ersatz wie MyEy, aber auch mit Sojamehl, Leinsamen, Tofu, Bananen und Apfelmus ersetzt werden.

Das indische Gewürz Kala Namak, auch Schwarzsalz genannt, hat einen rauchig-schwefeligen Geruch und verleiht Speisen den Geschmack von Eiern. So kann im Handumdrehen mit wenigen Zutaten (Tofu, Kurkuma, Kala Namak, Salz und Pfeffer) eine vegane Eierspeise gezaubert werden. Mehr Informationen über den Ersatz von Eiern in der Küche finden sich unter diesem Link.

Rezepte