Nationalratswahl 2017 - Veganismus-Positionen der Parteien | Vegane Gesellschaft Österreich

Nationalratswahl 2017 - Veganismus-Positionen der Parteien

25.09.2017

Über die politische Zukunft Österreichs wird am 15.10.2017 entschieden. 6.399.054 wahlberechtigte Österreicher_innen werden zur Wahlurne gebeten und sollen die Zusammensetzung des nächsten Nationalrates bestimmen. Insgesamt sind 183 Sitze im Parlament zu vergeben, um welche 16 Parteien kämpfen. Doch welche Parteien wollen sich für die Interessen von Veganer_innen und Vegetarier_innen einsetzen? Wir haben bei den zehn bundesweit kandidierenden Parteien nachgefragt!

Schweigen bei SPÖ und ÖVP

Die ehemaligen Großparteien SPÖ und ÖVP scheinen kaum ein Interesse an der veganen Wählerschaft zu haben, denn unsere neun Fragen zu Ernährung und Landwirtschaft wurden nicht beantwortet. Als Regierungsparteien hätten SPÖ und ÖVP während der derzeitigen Legislaturperiode zahlreiche Möglichkeiten gehabt, um die Landwirtschaft in eine nachhaltigere Richtung zu weisen und die Ernährungsbedürfnisse von Veganer_innen in öffentlichen Einrichtungen zu beachten. Unser Einsatz für die Abschaffung der unfairen Besteuerung von Pflanzenmilch blieb ungehört. Das (fehlende) Handeln bei landwirtschaftlichen und steuerlichen Themen ist besonders der ÖVP zuzurechnen, welche die entsprechenden Ministerien besetzt.

Grünes Licht bei den Grünen, KPÖ+ und Liste Pilz

Auf unsere Forderungen reagierten die Grünen, KPÖ+ und Liste Pilz mit Zustimmung. So soll Pflanzenmilch nicht stärker als Kuhmilch besteuert werden, eine vegane Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen angeboten werden und die universitäre Ausbildung in Medizin und Ernährung stärker Veganismus thematisieren. Begriffe wie „vegane Wurst“ stellen für sie kein Dorn im Auge dar und sollen weiterhin erlaubt sein. Die Deckelung von Agrarförderungen und gezielte Förderung von kleinen und biologischen Landwirtschaftsbetrieben sehen sie positiv. Die Grünen setzen sich am stärksten für eine ökologische Landwirtschaft ein, hatten dazu selbstverständlich als Oppositionspartei mehr Möglichkeiten als die neu gegründete Liste Pilz und die nicht im Nationalrat vertretene KPÖ+. Ob die Parteien – vorausgesetzt sie ziehen in den Nationalrat ein – aktiv an den von uns übermittelten Fragestellungen arbeiten werden und so unser grünes Licht nicht zu einem grünen Schimmer verkümmern lassen, wird die Zukunft zeigen.

Schwache Zustimmung bei FPÖ und FLÖ

Die FPÖ stimmt der Förderung einer kleinstrukturierteren und biologischen Landwirtschaft und einer Deckelung der Agrarförderungen zu. Exporte für tierische Produkte sollen weiterhin gefördert werden, die negativen Konsequenzen für Umwelt und Tier werden ignoriert. Weiters stört sich die FPÖ an Bezeichnungen wie „vegane Wurst“. Auf die restlichen Fragen fand die FPÖ vorwiegend ausweichende Antworten. Die FLÖ stand unseren Forderungen vorwiegend ablehnend gegenüber oder beantwortete unsere Fragen nicht. Ein Konsens wurde lediglich bei der Förderung kleiner Landwirtschaftsbetriebe und der Produktbezeichnung von Alternativlebensmitteln gefunden.

Kein Interesse bei NEOS, GILT und Die Weißen

Die Antwort der NEOS fiel spärlich aus und behandelte nur zwei der neun Fragen, wobei die Einstellung der Partei zur AMA-Förderung und Thematisierung veganer Ernährung auf den Unis nicht klar hervorgeht. Die zwei neu gegründeten Parteien GILT und Die Weißen waren nicht bereit unsere Fragen zu beantworten.

Foto: Filip Maljković, Lizenz: CC-BY-SA-2.0
Foto: Filip Maljković, Lizenz: CC-BY-SA-2.0

Entscheidungshilfe

In Österreich leben knapp unter 800.000 Menschen vegetarisch oder vegan. Etwa die Hälfte der Bevölkerung will ihren Fleischkonsum reduzieren und ernährt sich an einem oder mehreren Tagen pro Woche vegetarisch. Die pflanzliche Lebensweise ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch es scheint als ob dieses enorme Interesse noch nicht Einzug in die Köpfe der meisten Politiker_innen gehalten hat.

Aufgrund der nicht existenten oder gegebenenfalls sehr sporadischen Thematisierung von Ernährung, Umwelt und Veganismus im Wahlkampf empfanden wir es als notwendig, die Parteien um Stellungnahme zu wichtigen veganen Themen zu bitten. Unsere konkreten Fragen und die Antworten der Parteien können hier heruntergeladen werden.

Wir möchten mit dieser Umfrage allen Wähler_innen, denen Veganismus wichtig ist, eine (zusätzliche) Entscheidungshilfe für die kommende Nationalratswahl geben. Ob und in welchem Ausmaß die von uns erstellte Umfrage beim Entscheidungsfindungsprozess der mündigen Wähler_innen beachtet wird, ist jeder Person zweifellos selbst überlassen.