Kühe geben doch sowieso Milch? | Vegane Gesellschaft Österreich

Kühe geben doch sowieso Milch?

24.04.2018

Wie Sie Kühen und Kälbern das Leben retten können!

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Die österreichische Milcherzeugung ist stark mit dem Bild von glücklichen, auf Weiden grasenden Kühen verbunden. Doch die Realität ist leider eine andere: Die Anbindehaltung von Rindern ist noch immer erlaubt, viele verbringen ihr ganzes Leben im Stall ohne jemals eine Weide zu Gesicht zu bekommen und Mutter und Kind werden kurz nach der Geburt für immer getrennt.

Warum gibt eine Kuh Milch?

Kühe produzieren ebenso wie wir Menschen Milch für ihre Babys. Mit etwa eineinhalb Jahren wird eine Kuh zum ersten Mal befruchtet, nach 9 Monaten Schwangerschaft gebärt sie ihr Kind und ab diesem Zeitpunkt gibt sie Milch. Damit die Milchleistung auf einem künstlichen Hoch gehalten wird, muss die Kuh einmal pro Jahr ein Kalb gebären. Sofort oder wenige Stunden nach der Geburt werden Mutter und Kind getrennt. Das Kälbchen wird isoliert in einer Kälberbox oder einem Kälberiglu untergebracht und bekommt mit Wasser vermischtes Milchpulver zu trinken. Die Trennung ist für beide ein traumatisierendes Ereignis. Mutter und Kind rufen tagelang verzweifelt nacheinander.

Wohin mit den vielen Kälbchen?

Kühe müssen stets Kälber gebären, um Milch zu geben und so entsteht schnell ein Überschuss an Jungtieren. Schon bald nach der Geburt kommen die Kälbchen in Mastbetriebe. Häufig werden sie über weite Strecken ins Ausland dorthin transportiert. Sie landen mit etwa 22 Wochen als Kalbfleisch oder 2 Jahren als Rindfleisch auf unseren Tellern. Weibliche Kälber verbleiben häufig in der Milchwirtschaft, sie erwartet dasselbe Schicksal wie ihre Mütter. Nach durchschnittlich drei Geburten werden Kühe mit einem Alter von 5 Jahren geschlachtet, da ihre Körper zu ausgelaugt sind, um Milchhöchstleistungen zu erbringen.

Warum ist Bio-Milch keine Lösung?

Auch in der biologischen Landwirtschaft werden Kühe in Dauerschwangerschaft gehalten, Mutter und Kind getrennt, Kälbchen für Fleisch gemästet und getötet. Auch eine Bio-Kuh landet im Schlachthof, wenn sie für die Landwirt_innen unrentabel wird, und stirbt so lange vor ihrer natürlichen Lebenserwartung.

Wie viel Milch gibt eine österreichische Kuh?

Kühe werden auf eine möglichst hohe Milchleistung gezüchtet. Die Jahresmilchleistung einer österreichischen Kuh beträgt 6.760 kg Milch und somit das Fünffache von jener vor 70 Jahren (1)! Durch künstliche Eingriffe wie die Zucht gibt eine Kuh durchschnittlich knapp über 20 Liter Milch pro Tag, sogenannte Höchstleistungskühe sogar bis zu 50 Liter. Für die Ernährung des Kalbes wäre weit weniger Milch ausreichend. Lediglich zwei Monate vor der nächsten Geburt wird sie nicht gemolken und „trocken gelegt“, wie es im Fachjargon heißt. Der Körper der Kuh ist nicht für die Produktion derart hoher Milchmengen ausgelegt und daher sind Euterentzündungen, Stoffwechsel- und Klauenerkrankungen weit verbreitet (2).

Wie werden Kühe enthornt?

Kaum ein Rind in Österreich trägt Hörner, denn diese werden schon im Kälbchenalter entfernt. Die Landwirt_innen brennen die sensiblen Hornanlagen der Kälbchen selbst aus, die Anwesenheit von Veterinärmediziner_innen ist nicht erforderlich. Dieser äußerst schmerzhafte Vorgang darf bei bis zu zwei Wochen alten Tieren sogar ohne Betäubung durchgeführt werden (3). Hörner haben für Rinder jedoch eine wichtige Funktion im Sozialverhalten. So kommunizieren sie mit ihnen, wie sie zu anderen Rindern stehen und ob diese näher kommen oder besser Abstand halten sollen.

Wie lebt eine Kuh in der Milchproduktion?

Kühe verbringen den Winter im Stall, viele von ihnen auch das restliche Jahr. Das Anbinden von Kühen ist in Österreich nach wie vor erlaubt, wenn die Tiere an 90 Tagen Auslauf und/oder Weidegang haben. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, etwa wenn keine geeigneten Flächen vorhanden sind (4). So stehen manche Kühe ihr ganzes Leben an einer Stelle. Die Auslebung ihrer Bedürfnisse nach Bewegung und Kontakt zu Artgenossen wird ihnen somit verwehrt. Es ist also absolut nicht tiergerecht, Kühe angebunden zu halten.

Gesundheit

Milch und Milchprodukte haben einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin. Pflanzliche Lebensmittel enthalten hingegen gesunde ungesättigte Fettsäuren und sind komplett cholesterinfrei. Wer keine Milch und Milchprodukte verzehrt, hat keine Mangelerscheinungen zu befürchten. Denn die Nährstoffe, die in tierlicher Milch enthalten sind, können auch mit pflanzlichen Lebensmitteln aufgenommen werden. Kalzium ist zum Beispiel in grünen Gemüsesorten wie Kohl und Brokkoli enthalten. Auch angereicherte Sojamilch, Bohnen, Süßkartoffeln und Mineralwässer sind eine gute Kalziumquelle.

Umwelt

Die Tierhaltung verursacht und verschärft zahlreiche Umweltprobleme. Auf die Produktion von tierischen Lebensmitteln entfallen 18 % der weltweiten Treibhausgase - mehr als auf den gesamten Verkehrssektor (5)! Der Konsum von Rindfleisch und Milch trägt dazu entscheidend bei. Denn Rinder stoßen durch ihre Verdauungstätigkeiten große Mengen Methan (CH4) aus, ein Treibhausgas, das 25 Mal so stark wirkt wie Kohlendioxid (CO2). Für die Herstellung von einem Liter Kuhmilch wird weit mehr Wasser und Fläche benötigt als für Pflanzenmilch.

Treibhausgasvergleich

1 kg Butter: 23,74 kg CO2Ä/kg (6)
1 kg Käse: 8,48 kg CO2Ä/kg (6)
1 l Kuhmilch: 0,93 kg CO2Ä/kg (6)
1 l Sojamilch: 0,22 kg CO2Ä/kg (7)

Kuhmilch verbraucht verglichen mit Sojamilch…

4 Mal so viele Treibhausgase (0,93 kg vs. 0,21 kg) (6) (7)
3,5 Mal so viel Wasser (1.050 l vs. 297 l) (8)
2,5 Mal so viel Land (1,5 m2 vs. 0,59 m2) (7)

Alternativen

Die Vielfalt an Milchalternativen ist beinahe grenzenlos. Neben der bekannten Sojamilch gibt es pflanzliche Milchsorten aus Getreide (z.B. Hafer, Reis, Hirse), Nüssen (z.B. Haselnuss, Mandel, Cashew) und Pseudogetreide (z.B. Amaranth, Quinoa, Buchweizen). Außerdem gibt es Produkte wie Joghurt, Käse und Schlagobers in pflanzlicher Variante. Pflanzliche Milchalternativen sind bereits gut im Sortiment der Supermärkte etabliert. Eine große Auswahl findet sich auch in vielen Bioläden, Reformhäusern und Online-Shops.

Quellen

(1) Statistik Austria (2017). Kuh-, Schaf- und Ziegenmilchproduktion in Österreich. STATcube. Wien: Statistik Austria.
(2) Wolfschmidt, M. (2016). Das Schweinesystem: Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag.
(3) Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über die Mindestanforderungen für die Haltung von Pferden und Pferdeartigen, Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, Schalenwild, Lamas, Kaninchen, Hausgeflügel, Straußen und Nutzfischen. Letzte Änderung durch BGBl. II Nr. 15½017. (1. Tierhaltungsverordnung). Anlage 2, Abs. 2.8.
(4) Bundesgesetz über den Schutz der Tiere. Letzte Änderung durch BGBl. I Nr. 6½017 (Tierschutzgesetz - TSchG). § 16.
(5) Food and Agriculture Organization of the United Nations (2006). Livestock’s long shadow. Environmental issues and options. Rom: FAO.
(6) Öko-Institut e.V. (2009). Greenhouse-Gas Emissions from the Production and Processing of Food. Darmstadt: Öko-Institut e.V.
(7) Birgersson, S., Karlsson B.-S. & Söderlund, L. (2009). Soy Milk - an attributional Life Cycle Assessment examining the potential environmental impact of soy milk. Stockholm: KTH Royal Institute of Technology.
(8) Ercin, A. E., Aldaya, M. M. & Hoekstra, A. Y. (2012). The water footprint of soy milk and soy burger and equivalent animal products. Ecological Indicators, 18, 392-402.