Vegan für die kleine Geldbörse | Vegane Gesellschaft Österreich

Vegan für die kleine Geldbörse

15.07.2018

Die vegane Ernährung erscheint vielen Personen als teuer und manche Produkte, wie Käse- und Wurstalternativen, haben wahrhaftig oftmals einen stolzen Preis. Doch wirft man einen Blick in die Einkaufwägen von vielen Veganer_innen, wird schnell klar: Eine gesunde, tier- und umweltfreundliche Ernährung ist auch mit einem kleinen Geldbörse möglich.

Eine gut gefüllte Vorratskammer

Grundnahrungsmittel wie Getreide, Hülsenfrüchte und Kartoffeln sind nicht nur gesund, sondern auch günstig, gut lagerbar und sollten in jeder Küche vorhanden sein. Kombiniert mit Gewürzen und frischem Obst oder Gemüse ergeben sie schnelle und günstige Speisen. Getrocknete Hülsenfrüchte bestechen durch ihre jahrelange Haltbarkeit, hohen Nährstoffgehalt und höhere Umweltfreundlichkeit im Vergleich zu vorgekochten Hülsenfrüchten in Konservendosen. Um mehr Vielfalt in die Wintermonate zu bringen, können Obst und Gemüse zu Mus, Kompott und Chutney verarbeitet werden. Aus ökologischer Sicht sind biologische, regionale und saisonale Lebensmittel zu bevorzugen, was in Konflikt mit einem geringen Budget stehen kann. Biologische Lebensmittel aus dem Discounter kosten jedoch ähnlich viel wie konventionelle Produkte aus Supermärkten.

Zielgerichtet durch den Supermarkt

Wochenpläne und -einkäufe eignen sich besonders gut, um die Übersicht über die Finanzen zu behalten und Abwechslungsreichtum der Speisen sicherzustellen. So wird verhindert, dass unnötige Lebensmittel gekauft werden, die im Anschluss verderben und im Abfall landen. Bei Aktionen empfiehlt es sich, nur dann zuzugreifen, wenn die Lebensmittel entweder lange haltbar sind oder auch auf der Einkaufsliste stehen. Hülsenfrüchte und Getreide können auch in Aktion oder größeren Gebinden gekauft werden, da sie sehr gut und lange lagerbar sind. Zahlreiche „Kauf 2, erhalte 3“-Aktionen und ähnliche Schnäppchen sind kontraproduktiv: Viele Lebensmittel verderben, da sie nicht aufgebraucht werden – eine unnötige Belastung für den persönlichen Geldbörse und die Umwelt.

Mut zur Kreativität in der Küche

Eine finanzielle Falle lauert unterwegs: Speisen von Restaurants und Lieferservices sind zwar praktisch, kosten aber wesentlich mehr als Selbstgekochtes. Unentbehrlich für die Low-Budget-Ernährung ist somit das Kochen. Restaurantbesuche können selbstverständlich eine nette Abwechslung für besondere Anlässe darstellen. In die Schule, Uni oder Arbeit bringt man am besten Vorgekochtes mit. Doch der Spaß und die Kreativität sollen in der Küche keinesfalls zu kurz kommen. So empfehlen wir, mutig Lebensmittel und Gewürze zu kombinieren oder zu ersetzen und so neue Geschmacksrichtungen und Speisen zu kreieren. Reste können mit etwas Kreativität zu einem außergewöhnlichen Speiseerlebnis werden. Cremesuppen, Eintöpfe, Gröstl und Gratins eignen sich zur Resteverwertung besonders gut. Alternativprodukte müssen übrigens nicht teuer sein: Sojagranulat, -schnetzel und -medaillons sowie andere Formen von texturiertem Soja sind günstig erhältlich. Praktisch ist, dass die Produkte nach den eigenen Geschmackspräferenzen zubereitet werden können.

Do it yourself!

Je weniger Lebensmittel verarbeitet sind, desto günstiger sind sie meistens. Convenience Food ist in veganer und omnivorer Variante meist wesentlich teurer als selbst gekochte Speisen aus frischen Zutaten. Aufstriche aus Hülsenfrüchten sind schnell zubereitet und können einfach konserviert werden. Ambitionierte Köch_innen können selbst Klassiker wie Pflanzenmilch, Tofu, Seitan, aber auch ausgefallenere Produkte wie vegane Käse- und Wurstsorten zu einem vergleichsweise sehr niedrigen Preis zubereiten. Gelingen kann das zum Beispiel mit den Kochbüchern „Käse vegan“ von Marie Laforêt, „Meine kleine vegane Metzgerei“ von Sébastian Kardinal und „Vegan Homemade“ von Lisa Pfleger. Personen mit grünem Daumen können in den warmen Monaten Pflanzen selbst anbauen und ernten. Schon ein kleiner Stadtbalkon bietet Platz für einige Topfpflanzen. Besonders gut eignen sich Pflücksalate, Radieschen, Tomaten und Kräuter. Aber auch Bohnen und Erbsen gedeihen in Kübeln sehr gut. In sogenannten Kartoffeltürmen gelingt die Aufzucht und Ernte der beliebten Knollenfrucht.

Gemeinsam statt einsam

In Österreichs Mülltonnen landen jährlich über 200.000 Tonnen genießbare Lebensmittel. Jeder Haushalt wirft somit buchstäblich 300 € weg. Da dies nicht nur finanziell, sondern auch ethisch und ökologisch problematisch ist, haben sich in den meisten Städten Foodsharing-Netzwerke organisiert. So werden Lebensmittel vor dem Abfalltod gerettet und günstig an Interessierte weitergegeben oder sogar verschenkt. Alleine in Wien gibt es schon über 30 öffentliche Kühlschränke. Auf Facebook finden sich zahlreiche Gruppen, in denen Lebensmittel verschenkt werden. Diese sind praktisch, wenn man knapp bei Kasse ist, aber auch, wenn man selbst zu viel eingekauft oder gekocht hat. Über Food Coops und Bauernmärkte können meist günstige pflanzliche Lebensmittel gekauft werden, obendrein werden regionale Landwirt_innen unterstützt.

Mit unter 5 € durch den Tag

Wie günstig und genussvoll sich ein Tag mit veganer Ernährung gestalten lässt, zeigen die folgenden Speisen. Die Rezepte sind für zwei Portionen berechnet, die angegebenen Kosten beziehen sich auf eine Portion. Die Lebensmittel wurden vorwiegend in einem Discount-Supermarkt gekauft. Insgesamt kosten die vier Gericht 4,30 € pro Person.

Frühstück: Porridge mit Obst (0,43 €)
Mittag: Couscoussalat (1,43 €)
Snack: Brot mit Hummus und Gemüse (1,41 €)
Abend: Spaghetti Bolognese (1,02 €)

Günstig und gut versorgt

Die Vielfalt an günstigen veganen Speisen scheint unendlich. Illustriert wird dies durch folgende Speisen, die pro Portion deutlich unter 2 € kosten:
Kartoffelgulasch | Semmelknödel mit Champignonsauce | Chili Sin Carne | Kartoffelpüree mit Röstzwiebeln und Spinat | Cremesuppen (Kartoffel, Kürbis, Linse, Karotte, Tomate …) | Krautfleckerl | Couscoussalat | Sellerieschnitzel | vegane Eierspeise | Gefüllte Paprika | Grießschmarrn | Palatschinken | Apfelstrudel | Gugelhupf | Bananenbrot | Porridge | Milchreis

Inspiration für jeden Geschmack

Ein kleines Haushaltsbudget und pflanzlicher Genuss schließen einander somit nicht aus. Die Grundpfeiler für eine günstige vegane Ernährung stellen dabei Einkaufslisten, Kochen und sorgsame Lebensmittelverwertung dar. Kulinarische Inspiration findet sich auf unserer Homepage unter www.vegan.at/rezepte. Wir wünschen guten Appetit!