Umweltschutz beginnt auf unserem Teller | Vegane Gesellschaft Österreich

Umweltschutz beginnt auf unserem Teller

01.01.2018

Der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern ist weltweit ungebrochen hoch. Bis zum Jahr 2050 soll die menschliche Population auf 9,7 Milliarden ansteigen und die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln weiter erhöhen. Dieser Trend ist durch Ernährungsänderungen in bevölkerungsreichen Staaten wie China bereits spürbar. Dominierend im Fleischkonsum sind jedoch nach wie vor die wirtschaftlich entwickelten Länder: Sie verzehren 80 % des Fleisches weltweit. Mit 65 kg Fleisch pro Kopf und Jahr ist die Ernährung der Österreicher_innen alles andere als nachhaltig. Die Folgen sind eine Zunahme von „Wohlstandskrankheiten“ und desaströsen Umweltproblemen.

Foto: Fotolia | Fxquadro
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Klimawandel – Tierhaltung heizt dem Klima ein

Die Produktion tierischer Lebensmittel ist eine der Hauptursachen des anthropogenen Klimawandels und verursacht 18 % der globalen Treibhausgase – mehr als der gesamte Transportsektor. Steigende Temperaturen und Meeresspiegel, die Zunahme von Wetterextremen und Bodenversalzung sind Konsequenzen des Klimawandels und verschärfen die Ernährungssituation in weiten Teilen der Erde. Die Herstellung von Fleisch, Milch und Eiern emittiert an verschiedenen Stellen der Wertschöpfungskette Treibhausgase: Kohlendioxid durch Waldrodungen für Futtermittelanbau und Weideflächen, Methan durch die Verdauungstätigkeiten von Wiederkäuern, Gülleausbringung und Mineraldüngereinsatz beim Futtermittelanbau. Letzteres verursacht ebenso enorme Mengen Lachgas. Die Produktion von 1 kg Rindfleisch emittiert 20,65 kg Treibhausgase – dieselbe Menge wie eine 250 km lange Autofahrt!

Fläche – Der Boden auf der Erde wird knapp

Die Tierhaltung bedeckt ein Drittel der Landoberfläche und steht in Flächenkonkurrenz mit dem Menschen. Denn durch Futtermittelanbau und Weideflächen wird Land belegt, dass nicht für den Pflanzenanbau und somit die direkte menschliche Ernährung verwendet wird. Als besonders problematisch erweisen sich Futtermittelimporte aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie lassen die Weltmarktpreise ansteigen und verstärken so die globale Hungerproblematik. Derzeit werden 85 % des Sojas und 50 % des Getreides weltweit an Tiere verfüttert – eine Praktik, die angesichts der 800 Millionen hungernden Menschen nicht vertretbar ist. Regenwald fällt dem Futtermittelanbau und letztendlich unserem Fleischhunger zum Opfer. Durch den Monokulturanbau und hohen Mineraldüngereinsatz sind die Böden nach kürzester Zeit unfruchtbar und erfordern weitere Rodungen. 27 m2 Fläche werden für die Herstellung von 1 kg Rindfleisch benötigt. Dieselbe Menge Kartoffeln ist mit einem Flächenbedarf von 0,25 m2 wesentlich effizienter herzustellen.

Wasser – das blaue Gold steckt in der Landwirtschaft

Derzeit entfallen 86 % des weltweiten Wasserverbrauchs auf die Nahrungsmittelproduktion. Im globalen Durchschnitt erfordert die Herstellung von 1 kg Rindfleisch über 15.000 l Wasser, jene von 1 l Kuhmilch 1.000 l Wasser. Der Löwenanteil des benötigten Wassers entfällt mit 98 % auf die Futtermittelproduktion. Besonders dramatische Auswirkungen auf die Wasserversorgung hat die Tierhaltung in wasserarmen Regionen. Auch hier kommen wieder die Futtermittelimporte ins Spiel: Die Verfütterung von Soja und Getreide an europäische Tiere beansprucht die Wasserreserven in den Anbaugebieten und führt vermehrt zu Wasserknappheit. Durch Überdüngung gelangen Nitrate ins Trinkwasser und gefährden die Gesundheit. In Österreich überschreiten bereits 10 % der Messstellen den gesetzlichen Grenzwert.

Tierische und pflanzliche Speisen im Test

Die Auswirkungen unseres Ernährungsverhaltens auf Boden, Luft und Wasser hängen von Landwirtschaftspraktiken, Klima- und Bodenbedingungen und der Futtermittelzusammensetzung ab. Trotz komplexer ökologischer Zusammenhänge zeichnet sich ein Muster ab: Eine pflanzendominierte, biologische Landwirtschaft ist die umweltfreundlichste Variante der Lebensmittelproduktion. Die folgenden beliebten Speisen zeigen, wie sich pflanzliche Alternativen zu Fleisch positiv auf die Umwelt auswirken:

Ein Hamburger mit Pommes und Salat benötigt eine Fläche von 3,60 m2 und 1.800 l Wasser und emittiert 3 kg Treibhausgase. 94 % der Fläche, 88 % der Treibhausgase und 86 % des Wassers entfallen bei der Speise alleine auf das Fleisch. Ersetzt man das Rindfleischlaibchen durch eines aus Soja, sinken die Umweltauswirkungen in beachtlichem Ausmaß: Die vegane Speise benötigt nur 0,56 m2 Fläche und 350 l Wasser und emittiert 0,60 kg Treibhausgase. Die Auswirkungen auf Fläche, Treibhausgase und Wasser sind bei Soja im Vergleich zu Rindfleisch um rund 90 % geringer.

Eine Portion Curry mit Schweinefleisch, Gemüse und Reis erfordert eine Fläche von 1,40 m2 und Wasser von 1.100 l und emittiert 1,90 kg Treibhausgase, wobei jeweils 83 %, 43 % bzw. 52 % alleine auf das Schweinefleisch entfallen. Die Verwendung von Sojaschnetzel wirkt sich positiv auf die Umweltbilanz aus: Der Flächenfußabdruck sinkt auf 0,90 m2, jener von Wasser auf 330 l und auch weniger Treibhausgase in Höhe von 1,35 kg werden verursacht.

Bei Spaghetti Bolognese zeichnet sich ein ähnliches Bild wie beim Burger ab: 3,64 m2 Fläche, 1.930 l Wasser und 3,10 kg Treibhausgase entfallen auf die Speise. Tauscht man Faschiertes durch Sojagranulat aus, werden nur mehr 0,60 m2 Fläche, 0,80 kg Treibhausgase und 470 l Wasser benötigt.

Mit jeder Mahlzeit ein Zeichen setzen

Nicht nur Tiere und Gesundheit freuen sich über Ihren Konsum pflanzlicher Speisen, sondern auch die Umwelt und zukünftige Generationen, wenn sie einen intakten Lebensraum vorfinden. Eckpfeiler einer nachhaltigen Ernährung sind – neben dem hohen Konsum pflanzlicher Lebensmittel – biologische, saisonale, regionale und fair gehandelte Speisen. Einen effektiven Beitrag zum Umweltschutz können wir mit jeder einzelnen Mahlzeit leisten!

Tipp: Tolle umwelt- und tierfreundliche Rezepte finden Sie unter www.vegan.at/kulinarik/rezepte!