Tierfreundliche Kinderbücher-Teil 2 | Vegane Gesellschaft Österreich

Tierfreundliche Kinderbücher-Teil 2

20.06.2017

Vegan lebende Eltern stehen früher oder später vor der großen Herausforderung, ihren Kindern ehrlich, einfühlsam und altersgerecht zu erklären, warum alle Lebewesen ein Recht auf Leben haben und es falsch ist diese für Fleisch, Milch, Eier, Leder oder andere Produkte auszubeuten. In vielen Kinderbüchern spielen Tiere eine Rolle, die jedoch das vorherrschende, gesellschaftliche Bild der Überlegenheit der Menschen über andere Lebewesen reproduziert. In Bauernhof- und Zoogeschichten wird Kindern oft vermittelt, dass es normal und natürlich sei, Tiere zum „Nutzen“ des Menschen zu halten.

Kinder sind meist sehr tierliebend und wollen anderen Lebewesen kein Leid zufügen. Empathie kann besonders in jungen Jahren gefördert werden, wozu sich die folgenden Kinderbücher eignen. Behandelt werden nicht nur tierrechtsrelevante Themen wie Tiere zu Nahrungs- oder Unterhaltungszwecken, sondern auch der Prozess des Veganwerdens und Umgang mit kritischen Stimmen von nicht veganen Menschen.

Schweine in Kisten: Ein saumäßiges Piratenbuch

Ben Balser
GrünerSinn-Verlag
36 Seiten
€ 15,50

„Schweine in Kisten“ handelt von einem kleinen, schwachen Piraten, der von anderen gehänselt wird. Sein großes Vorbild fragt er: „Wulli, woher bist du so stark? Isst du täglich Magerquark? Trinkst du viel, auch über’n Durst? Oder isst du ganz viel Wurst?“ Daraufhin erklärt Wulli sehr einleuchtend in kindergerechter Sprache, ohne detailliert auf Tierhaltungs- und Schlachtpraktiken eingehen zu müssen, warum es falsch ist Fleisch und andere tierischen Produkte zu essen und dass etwa Schweine in kleinen Käfigen beziehungsweise nach dem Buchtitel in Kisten leben müssen. Der Protagonist schmiedet einen Plan, befreit alle Schweine und lebt fortan in Frieden mit ihnen auf einer Insel. Die Reime lockern die Geschichte auf und machen sie gemeinsam mit den schönen Illustrationen zu einem wahren Lesevergnügen. Piratengeschichten sind bei vielen Kindern beliebt. „Schweine in Kisten“ eignet sich bereits ab dem Kindergarten zum Vorlesen.

Der Findefuchs: Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam

Irina Korschunow
dtv Verlag
48 Seiten
€ 13,40

Die Mutter des kleinen Fuchses wird von einem Jäger erschossen. Voller Angst und Hunger harrt er in einem Gebüsch aus, bis eine Füchsin ihn aufnimmt, obwohl sie selbst schon drei Kinder hat. Sie verteidigt den Kleinen gegen Gefahren und böse Stimmen von einem Hund, Dachs und Fuchs. Die Geschichte behandelt den gewaltsamen Eingriff von Jägern in die Natur und Tierfamilien und die Stärke von Mutterliebe. Die Füchsin nimmt den Findefuchs wie ihr eigenes Kind an und liebt alle vier Kinder gleichermaßen. So sagt sie an einer Stelle: „Ich habe ihn gewärmt und ihm zu trinken gegeben. Ich habe ihn durch den Wald geschleppt. Ich bin mit ihm vor dem Hund geflohen und musste sogar mit dem Dachs kämpfen. Mein Findefuchs soll bei mir bleiben.“ Die Geschichte wird durch wunderschöne Illustrationen von Reinhard Michl ergänzt. Leseanfänger_innen werden ihre Freude beim Buch haben, es eignet sich auch ideal zum Vorlesen.

Die Kunst des Miteinanders: Kurzgeschichten für Groß und Klein

Katja Kaminski
Books on Demand Verlag
96 Seiten
€ 9,90

Das Buch „Die Kunst des Miteinanders“ beinhaltet 13 Geschichten über Ausgrenzung, Rassismus und Speziesismus. In „Mina und der Apfelkuchenheugeruch“ wird kindgerecht erzählt, warum Tiere nicht zu unserem Nutzen gehalten werden sollen. Die Autorin spricht sich in „Norbert und der Zirkus“ gegen die Haltung von Zirkustieren zu unserer Unterhaltung aus. Allen Geschichten ist gemeinsam, dass sie keinen Sündenbock suchen, sondern eine Problemlösung auf Augenhöhe anstreben. Die Autorin will ihren Leser_innen den Mut schenken, die Welt zum Positiven zu verändern. Die Geschichten wurden für Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter konzipiert, sind aber auch für ältere Kinder und Erwachsene ein Lesevergnügen.

Barbapapa rettet die Tiere

Annette Tison und Talus Taylor
Atlantis Verlag
40 Seiten
€ 10,30

Viele von uns schwelgen in Kindheitserinnerungen, wenn sie an die Barbapapas denken. Wie schön, dass das Bilderbuch „Barbapapa rettet die Tiere“ Kindern den wertschätzenden Umgang mit Tieren lehrt. Als die Barbapapas entdecken, dass die Menschen durch Umweltzerstörung, Jagd und Fischerei Tiere bedrohen und töten, gründen sie einen Tierschutz-Park und kümmern sich um kranke Tiere. Doch als immer mehr Tiere Schutz vor den Menschen suchen, fliegen die Barbapapas mit den Tieren auf einen sicheren, grünen Planeten und kommen erst zurück, als die Menschen gelernt haben, umweltfreundlicher zu leben und auf Jagd und Fischerei zu verzichten. Das Buch ist für Kinder ab dem Kindergartenalter geeignet und begeistert durch die liebevollen Details in jedem Bild.

Josef Schaf will auch einen Menschen

Kirsten Boie
Oetinger Verlag
32 Seiten
€ 13,40

Josef Schaf möchte unbedingt einen Menschen haben, denn alle anderen Tiere in seiner Schulklasse haben auch einen. Der Vater ist zunächst kritisch, hält nichts von Hausmenschen und sieht deren Haltung als Menschenquälerei an. Josef verspricht ihn zu füttern, seinen Käfig zu säubern und mit ihm an der Leine spazieren zu gehen. Die Geschichte einer verkehrten Welt, in der Tiere Menschen halten, stellt eine subtile Kritik an der Haustierhaltung dar. Kindern kann so vermittelt werden, dass Tiere nicht in Käfigen zu unserer Unterhaltung dahinvegetieren wollen. Das Buch bietet einen Einstieg in die Diskussion über Haustiere. Um die Botschaft dahinter zu verstehen ist, vor allem bis in das Volksschulalter, ein Gespräch unentbehrlich.

Wie Mathilda ein Zuhause fand

Alina Wegener
GrünerSinn-Verlag
16 Seiten
€ 7,50

„Jedes Tier hat das Recht auf ein schönes Zuhause“ sind die einleitenden Worte dieses Kinderbuchs. Das Kaninchen Mathilda findet nach langem Herumirren endlich ein neues Zuhause in einem Tierschutzhof. Zunächst ist sie sehr schüchtern, ängstlich und fragt sich, ob die anderen Tiere sie aufnehmen werden. Diese bereiten ihr eine große Willkommensfeier und nehmen sie herzlich auf. Dieses kurze Bilderbuch ist für Kinder ab dem Kindergartenalter geeignet und vermittelt, dass Tiere ebenso Gefühle wie Angst, Trauer, Liebe und Mitgefühl verspüren. Kindern hilft das Buch, sich in andere Lebewesen hineinzuversetzen und empathischer zu werden. Die Geschichte ist besonders einfühlsam und verständlich, da jede_r schon einmal in der Situation war, der_die Neue zu sein.

In den Wäldern

Eva Lamberty
GrünerSinn-Verlag
40 Seiten
€ 12,50

„In den Wäldern“ erzählt die Geschichte vom Stadtkind Jaime, das mit seinen Eltern campen geht und sich im Wald verirrt. Gemeinsam mit seinem Stofftier versucht er den Ausgang aus dem Wald zu finden, dabei lernt er zahlreiche Tiere kennen, die ihn vor den Biestern warnen. Denn diese haben den See vergiftet, Bäume gefällt, Tiere vertrieben und Müll im Wald zurückgelassen. Der Frosch etwa erzählt: „Der See ist tot und die Fische sind Gift, so wie alles darin (im Tümpel). Die Biester nehmen sich (…) alles, was sie wollen, ohne an andere zu denken.“ Am Ende stellt sich heraus, dass die Biester Waldarbeiter und Jäger sind. Probleme wie Umweltverschmutzung, Waldrodungen und Jagd auf Wildtiere werden besprochen. Die Geschichte ist spannend aufgebaut, die Leser_innen sind regelrecht auf der Suche nach den Biestern. „In den Wäldern“ ist für Kinder ab acht Jahren geeignet, da der Text relativ umfangreich ist.

Eduardo reißt aus

Anna Derndorfer und Alexander Maurer
Bestellbar unter office@annaderndorfer.com
28 Seiten
€ 7,00

„Eduardo reißt aus“ erzählt die Geschichte vom mutigen Hahn Eduardo, der auf einer spanischen Insel im Ozean ein behütetes und glückliches Leben auf einem Bauernhof führt. Eines Tages erscheint ein geldgieriger Mann, welcher den Bauern überreden will statt Obst und Gemüse Fleisch zu verkaufen. Verschreckt und voll Angst flieht Eduardo, eine nette Familie findet ihn und bringt ihn auf einen Lebenshof. Der Hahn Eduardo ist kein erfundener Protagonist, denn die Autorin Anna Derndorfer und der Illustrator Alexander Maurer haben ihn auf eigenen Reisen und während der Arbeit an einem Lebenshof kennengelernt. Die Fotografien im Buch werden mit Zeichnungen von Eduardo und seinen Freund_innen ergänzt. Am Ende des Buches wird erklärt, was ein veganer Lebensstil ist und wie genussvoll dieser ist. Das Buch eignet sich aufgrund der großen Bilder und einfachen Sprache schon ab dem Kindergartenalter.

Timmi Sternchen: Eine wundersame Delfin-Geschichte

Ilse Henkel
Engelsdorfer Verlag
48 Seiten
€ 14,40

Der Delfin Timmi wächst behütet im Kreise seiner Familie auf und rettet das Menschenmädchen Sonia vor dem Ertrinken, was den Beginn einer wunderbaren Freundschaft markiert. Doch eines Tages wird er von Fischern gefangen und in ein Delfinarium gebracht, in dem er zur Unterhaltung der zahlenden Kundschaft Tricks aufführen muss. Als Sonia davon erfährt, schickt sie ihm gute Gedanken und eines Tages wird Timmi freigelassen. Die Autorin zieht mehrmals Vergleiche, wie ähnlich die Gefühle unter menschlichen und nichtmenschlichen Tieren sind, so etwa die Liebe zwischen Mutter und Kind. Die Beziehung zwischen Sonia und Timmi erinnert an Mensch-Haustier-Beziehungen und hilft den jungen Leser_innen sich in die Gefühlswelt von Timmi hineinzuversetzen. Mit Hilfe von „Timmi Sternchen“ kann Kindern ab Ende des Kindergartenalters nähergebracht werden, warum Delfinarien und ähnliche Unterhaltungseinrichtungen großes Leid für die ausgestellten Tiere bedeuten. Weitere lesenswerte Kinderbücher der Autorin sind „Claires Lächeln geht in die Welt“ und „Noras Traum“.

Klaus mag Hühner

Carlos Patiño
Compassion Media Verlag
36 Seiten
€ 15,00

Der Außerirdische Klaus würde niemals Tiere essen. Als er die Erde besucht ist er entsetzt, dass Hühner und andere Tiere von Menschen gegessen werden. „Klaus mag Hühner“ besteht aus vielen, sehr bunten Bildern und wenig, aber gereimtem Text. So lernen Kinder, dass Hühner keine Nahrung sind, Bedürfnisse haben, wie Sandbäder nehmen, und äußerst intelligent sind. Das Buch ist für Kinder ab dem Kindergartenalter geeignet, auch für Leseanfänger_innen könnte es interessant sein.