Rosa-Mariechen | Vegane Gesellschaft Österreich

Rosa-Mariechen

25.07.2017

Stiftung Hof Butenland
Rosa-Mariechen. Aus dem Leben einer Sachensucherin

ISBN 978-3-945032-01-5
1. Auflage: 2015
128 Seiten
€ 20,00

Rosa-Mariechen ist eine neugierige und liebenswerte Bewohnerin des Hof Butenland. Die quirlige Schweinedame führt durch das nach ihr benannte Buch, das mit wunderschönen Farbfotografien einen umfassenden Einblick in den Lebenshof gibt. Überdies hinaus wird deutlich, dass Schweine – wie alle anderen Lebewesen – über eine Palette an Gefühlen und Interessen verfügen.

Da Rosa-Mariechen die Leser_innen durch den Hof führt, werden auch andere Bewohner_innen vorgestellt, wie etwa einige Hühner und Kühe. Die Fotos zeigen nicht nur, was Rosa-Mariechen an einem typischen Tag so alles unternimmt, sondern auch jeder Jahreszeit am Hof wird ein Kapitel gewidmet. Abgerundet wird das Buchkonzept mit unterhaltsamen Geschichten und so wird das Buch zu einem wahren Lesevergnügen!

Ein Bilder- und Geschichtenbuch mit einer wichtigen Botschaft

Das Buch hat das Potenzial speziesistische und karnistische Anschauungen bei den Leser_innen zu durchbrechen. Es wird sich die Frage aufdrängen, warum etwa Hunde und Katzen geschützt und Schweine getötet werden. Denn die Parallelen zwischen sogenannten „Nutztieren“ und „Heimtieren“ finden sich an allen Ecken und Enden, etwa wenn Rosa-Mariechen genüsslich ihr Frühstück einnimmt, in ihrem Körbchen ein Mittagsschläfchen hält oder mit ihren menschlichen und nicht-menschlichen Tierfreund_innen kuschelt.

Rosa-Mariechen mit Henne Elvira beim Mittagessen, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück
Rosa-Mariechen mit Henne Elvira beim Mittagessen, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück

Wenn ich groß bin, will ich eine Kuh sein – Eine Leseprobe

Welchen Sinn aber hätte all die Freiheit ohne ein Ziel vor Augen, für das man jeden Tag aufs Neue bereitwillig das warme Strohbett verlässt? Ein Ziel, das so groß ist wie … ja, so groß wie eine Kuh! „Wenn ich groß bin, will ich Kuh sein“, muss sich Rosa-Mariechen wohl gedacht haben, als sie gemerkt hat, wo sie gelandet ist und welche Vorzüge so ein Kuhleben auf Hof Butenland bietet. Ställe, die jedes Strohbett in den Schatten stellen, einen eigenen Heu-Bringdienst und Weiden, so weit das Auge reicht. Abhängen mit den Großen – das saukuhle Extra! (…) Doch der Weg zum Kuh-Sein ist steinig. Nicht nur, dass das mit dem Wiederkäuen als Schwein nicht ganz so einfach ist. Als Kleinste in einer Herde zieht man nun einmal hin und wieder auch den Kürzeren. – Rosa-Mariechen, S. 20

Mit den meisten Kühen läuft es ganz gut. Doch bei manchen darf man den Rüssel nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wie in diesem Fall bei Mattis, der über eine Tonne auf die Waage bringt und die imposantesten Hörner auf Hof Butenland hat. Mattis hatte ganz großes Glück: nur wenige Tage nachdem sich seine Mutter Dina auf Hof Butenland in Sicherheit bringen konnte, wurde er in Freiheit geboren. Selbst ausgewachsen verbringt er immer noch sehr viel Zeit mit seiner Mutter, die ihn nur selten aus den Augen lässt. – Rosa Mariechen, S. 25

Lui im Obstgarten, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück
Lui im Obstgarten, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück

Stiftung Hof Butenland – Ein besonderes Altersheim

Auf der Halbinsel Butjadingen an der deutschen Nordseeküste liegt der Hof Butenland, der besser bekannt ist als Kuhaltersheim. Neben vielen Kühen leben am Hof auch Schweine, Hühner, Hunde, Katzen, Enten und Gänsen und werden mit Respekt und Zuneigung behandelt. Bis an ihr Lebensende können sie dort leben, ohne am Ende den Gang ins Schlachthaus fürchten zu müssen.

Gegründet wurde das Kuhaltersheim von Jan Gerdes, der in den 1980er-Jahren den Milchbetrieb seiner Eltern übernommen hatte. Der Hof wurde von ihm von konventioneller Haltung auf Demeter umgestellt. Seit 2002 werden keine Kühe mehr zur Milchproduktion gehalten – sie und andere Tiere dürfen ihr Leben am Hof führen ohne von Menschen für Fleisch, Milch, Eier oder anderen Produkte ausgebeutet zu werden.

Rosa-Mariechen mit Banane, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück
Rosa-Mariechen mit Banane, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück

Fazit

„Rosa-Mariechen. Aus dem Leben einer Sachensucherin“ ist ein exzellentes Bilder- und Geschichtenbuch, das Veganer_innen und allen anderen gleichermaßen gefallen wird. Auch für sehr junge Kinder ist das Buch bestens geeignet. Hof Butenland zeigt, wie die Welt sein sollte: ein respektvoller Ort für alle Lebewesen ohne Ausbeutung, Gewalt und Mord. So regt das Buch sicherlich zum Nachdenken an, aber ohne sich an Bildern der grausamen Tierhaltung zu bedienen, wie sich für Milliarden von Lebewesen die traurige Realität ist.

Elses Auge, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück
Elses Auge, © Stiftung Hof Butenland/Karin Mück