Multikuhlti und vegan | Vegane Gesellschaft Österreich

Multikuhlti und vegan

21.08.2017

Stiftung Hof Butenland
Multikuhlti und vegan. Geschichten und Rezepte

ISBN 978-3-945032-00-8
2., aktualisierte Auflage
128 Seiten
€ 20,00

Auf der Halbinsel Butjadingen an der deutschen Nordseeküste liegt der Hof Butenland, der besser bekannt ist als Kuhaltersheim. Neben vielen Kühen leben am Hof auch Schweine, Hühner, Hunde, Katzen, Enten und Gänsen und werden mit Respekt und Zuneigung behandelt. Bis an ihr Lebensende können sie dort leben, ohne am Ende den Gang ins Schlachthaus fürchten zu müssen. Das Buch stellt eine liebevolle Sammlung von Geschichten vom Hof Butenland dar, die um zahlreiche leckere Rezepte ergänzt werden.

Stiftung Hof Butenland – Ein besonderes Altersheim

Gegründet wurde das Kuhaltersheim von Jan Gerdes, der in den 1980er-Jahren den Milchbetrieb seiner Eltern übernommen hatte. Der Hof wurde von ihm von konventioneller Haltung auf Demeter umgestellt. Seit 2002 werden keine Kühe mehr zur Milchproduktion gehalten – sie und andere Tiere dürfen ihr Leben am Hof führen ohne von Menschen für Fleisch, Milch, Eier oder anderen Produkte ausgebeutet zu werden.

Interessante Gespräche mit den Gründer_innen, Freiwilligen und anderen Fans des Hof Butenland über ihre schönsten und schmerzvollsten Erlebnisse am Hof und in ihrem Leben mit Tieren bewegen eine_n als Lesende_n sehr. Gründer Jan Gerdes gibt Einblicke, wie sich die Arbeit im Kuhaltersheim von jener im Kuhmilchbetrieb unterscheidet:

„Wenn man Milchbauer ist, gibt es keine kranken Tiere. Die sind alle gesund und fit, und wenn aus irgendwelchen Gründen ein Tier doch krank ist und nicht ganz schnell wieder gesund wird, wird es geschlachtet. Mit kranken Tieren gibt sich ein normaler Milchbauer gar nicht ab. Das stört nur, das kostet nur Geld und da muss man dann ganz schnell abwägen: Rechnet sich der Tierarzt oder nicht. Es geht da nur um Profit. Heute ist es so, dass wir uns einfach wesentlich mehr Zeit für die einzelnen Tiere nehmen können und müssen.“, Multikuhlti und vegan. Geschichten und Rezepte, S. 24

Geschichten, die bewegen

Liebevolle Geschichten von den zwei- und vierbeinigen Hofbewohner_innen lassen die Leser_innen von einer Welt träumen, in der alle Lebewesen mit Respekt und Liebe behandelt werden. Das Buch motiviert vegan zu werden bzw. bekräftigt Veganer_innen in ihrer Entscheidung und zeigt, dass durch das Engagement jeder einzelnen Person die Welt zu einem besseren Ort werden kann.

Herzstück des Buches sind neben den Geschichten und Rezepten zweifelsohne die wunderschönen Fotografien: Schwein Rosa-Mariechen, Kuh Gisela und all die anderen Bewohner_innen des Hofes hauchen dem Buch Leben ein und lassen eine_n wünschen, ein paar Tage mit ihnen verbringen zu können. Manche Stellen machen nachdenklich, andere motivieren und wieder andere bringen einen zum Schmunzeln:

„Da die beiden gesetzten Herren Lui und Rudi im Leben nicht auf die Idee kämen, die vor Sonnenbrand und Überhitzung schützende Wirkung von Schlammbädern zu nutzen (Schweine können nicht schwitzen!), bekommt der hellhäutige Prinz bei starker Sonnenstrahlung ein farblich ansprechendes Schirmchen neben das Nachmittagsschlafkörbchen gestellt.“ - Multikuhlti und vegan. Geschichten und Rezepte, S. 46

Die Muttergefühle der Kuh Gisela – Eine Leseprobe

„Gisela wurde als Gebärmaschine missbraucht. Jahr für Jahr wurde sie gegen ihren Willen geschwängert, Jahr für Jahr brachte sie ein Kalb zur Welt. Keines davon hat sie behalten dürfen. Alle wurden ihr nach der Geburt weggenommen, um ihre Milch zu stehlen. (…) Gisela war mit 17 Jahren bereits vergreist, obwohl sie erst etwas mehr als die Hälfte der natürlichen Lebenserwartung einer Kuh erreicht hatte. Gisela fraß auch nicht mehr. Es schien, als hätte sie sich aufgegeben.“ - Multikuhlti und vegan. Geschichten und Rezepte, S. 81

Als eines Tages eine hochschwangere Kuh eines benachbarten Milchbauern ausbrach und auf einer Weide des Hof Butenland aufgefunden wurde, wurde sie freigekauft. Ihr Kalb Mattis verhalf Gisela zu neuer Lebenslust:

„Mattis war das erste Kalb, das Gisela zu Gesicht bekam. Und die Kuh, die soeben noch jeden Lebenswillen verloren zu haben schien, stand nach der Geburt von Mattis urplötzlich auf. Es schien als wäre ihr ganzer Lebenswille im Moment der Geburt zurückgekehrt. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte sie ein Kalb sehen, ein Kalb lecken, ein Kalb umsorgen. Zum ersten Mal in ihrem Leben durfte sie Muttergefühle ausleben.“ - Multikuhlti und vegan. Geschichten und Rezepte, S. 81

Ohne Tierleid genießen – Rezepte zum Nachkochen

Vegan, lecker, einfach – dies sind die Grundpfeiler der Küche am Hof Butenland und danach sind auch die Rezepte im Buch gestaltet. Menschen, die noch wenig Erfahrung mit der veganen Küche haben, kommt das Einführungskapitel zu Hilfe. Frühling, Sommer, Herbst und Winter – die Rezepte gliedern sich nach den vier Jahreszeiten und so bietet das Buch Kochinspiration für 365 Tage im Jahr.

Im Frühling werden unter anderem Mandelpalatschinken mit gebratenem Spinat, Kohlrabischnitzel mit Kartoffelringen und Karfiol-Brokkoli-Pakoras empfohlen. Grünkern-Obstsalat mit Haselnusscreme, Paprika-Bulgur-Pfanne und Erbsen-Kokos-Suppe eignen sich für die heiße Jahreszeit. Im Herbst können sich Köchinnen und Köche auf Apfelküchlein mit Vanille-Mandel-Sauce, Kürbisspalten mit Ratatouille-Relish und Kartoffelspaghetti mit gefüllten Champignons freuen. Wärme im Winter spenden Süßkartoffelwürfel mit Sellerie-Sticks, Rotkohlsuppe mit Topinamburscheiben und Orangenröllchen mit Rucola-Salat.