Lebenslänglich hinter Gittern | Vegane Gesellschaft Österreich

Lebenslänglich hinter Gittern

14.07.2014

Der Psychologe Colin Goldner hat die Haltungsbedingungen für Menschenaffen in Zoos untersucht. Das Ergebnis liegt nun als Buch vor.

Colin Goldner: Lebenslänglich hinter Gittern
Colin Goldner: Lebenslänglich hinter Gittern

Kapitel 1 dreht sich um die Kulturgeschichte des Verhältnisses Mensch-Menschenaffe in Europa. Im 2. Kapitel geht es um die rechtlichen Grundlagen der Gefangenhaltung von Menschenaffen. Das 3. Kapitel behandelt die Geschichte der Einrichtung „Zoo“, von ihren Anfängen in den Menagerien italienischer Fürsten über die Bürgerzoos des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hin zur Welle an Zoogründungen ab 1933. Auch die zunehmende Diseneylandisierung der Zoos wird beleuchtet.

Kapitel 4 untersucht die zentralen Argumente, mit denen heutige Zoos ihre Existenz rechtfertigen. Wie Goldner zeigt, ist ihr Beitrag zu Bildung, Forschung und Artenschutz kaum der Rede wert. Am wenigsten kann das Argument, Zoos dienten der Erholung stressgeplagter Großstädter, als Rechtfertigung dienen, Wildtiere ein Leben lang einzusperren. Die Gefangenhaltung in den Zoos, wie Goldner in Kapitel 5 beschreibt, macht die Tiere krank. Kapitel 6 entwickelt Ideen zum Schutz der Tiere in ihren natürlichen Heimaten und zu anständiger Unterbringung jener Tiere, die nicht mehr rückausgewildert werden können.

Goldners Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Einrichtung „Zoo“. Seine Kritik, festgemacht an den Menschenaffen, richtet sich gegen die Zurschaustellung von Tieren an sich. Ein Meilenstein in der Tierrechtsliteratur.
(SH)

Leseprobe

Buch S. 191

„Auf die Idee, die Zoobesucher über entsprechende Information und Aufklärung dazu anzuregen, einen auf ganz persönlicher Ebene erlebbaren Beitrag zu Tier-, Natur- und Umweltschutz zu leisten und wenigstens am Tag des Zoobesuches auf den Verzehr getöteter Tiere oder aus Tierprodukten hergestellter Nahrungsmittel zu verzichten, kommt kein einziger der Zoos. Ganz im Gegenteil: das Speisenangebot in den meisten Zoorestaurants entspricht in seiner extremen Fleischlastigkeit dem einer unterdurchschnittlichen Werkskantine oder Autobahnraststätte (…) Vegetarische Alternativen finden sich nur selten, ausdrücklich vegane Gerichte gibt es nirgendwo. Neben den üblichen „Currywürsten“ und „Wienerschnitzeln“ stehen mancherorts auch Wildtiergerichte auf der Karte; im Einzelfall, wie etwa im Zoo Gelsenkirchen, sogar exotische Wildtiere, wie sie im Gehege ums Eck besichtigt werden können. Das Restaurant des Zoos Hoyersverda bot noch kürzlich neben Gerichten aus Straußen- und Antilopenfleisch eine „Massai-Krieger-Platte“ an, die mit „gebratenem Fleisch vom Krokodil in grüner Currysauce“ aufwartete. Dass es im Zoo um alles andere geht als um Bewusstseinswandel im Interesse von Tier, Natur und Umwelt, wird nirgends deutlicher, als auf der Speisekarte eines Zoorestaurants. Die Botschaft an die Zoobesucher: Tiere können im Zoo ebenso bedenkenlos begafft wie im Zoorestaurant verzehrt werden: es sind ja nur Tiere, die zu ebendiesem Zwecke da sind.“

Colin Goldner: Lebenslänglich hinter Gittern – Die Wahrheit über Gorilla, Orang Utan & Co in deutschen Zoos

1 . Auflage 2014
492 Seiten, Klappenbroschur, zahlreiche Fotos
Alibri
ISBN 978-3-86569-112-5