Internationales Jahr der Hülsenfrüchte | Vegane Gesellschaft Österreich

Internationales Jahr der Hülsenfrüchte

28.06.2016

Die Vereinten Nationen haben 2016 zum Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte erklärt und wollen mit dem Slogan „Saatgut zum Essen für eine nachhaltige Zukunft“ das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Hülsenfrüchte in den Bereichen Nahrung, Gesundheit, Ernährungssicherheit, Biodiversität, Umwelt und Klimaschutz erhöhen. Möglichst vielen Menschen soll vermittelt werden, welch große Rolle Hülsenfrüchte für eine gesunde Ernährung und den globalen Kampf gegen Hunger und Mangelernährung spielen.

Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Linsen und Sojabohnen zählen zu den bekanntesten Hülsenfrüchten, weltweit werden jedoch über 100 verschiedene Arten unterschieden. Sie gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler (auch Leguminosen genannt) und werden vom Menschen als Nutzpflanze zu verschiedenen Zwecken angebaut, zum Beispiel als hochwertige Nahrungsquelle für Mensch und Tier und zum nationalen und internationalen Handel. Leguminosen sind wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und Hauptzutat zahlreicher nationaler Spezialitäten, wie indisches Linsencurry, Hummus und Falafel, mexikanisches Chili und zentralamerikanisches Gallo Pinto (Gericht aus Reis und schwarzen bzw. roten Bohnen).



Ernährung

Hülsenfrüchte sind reich an verschiedenen Nährstoffen – Proteine, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe – und deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung.

Der Energiegehalt ist mit 260-360 kcal pro 100 Gramm getrockneten Hülsenfrüchte relativ gering. Der Eiweißgehalt von Hülsenfrüchten beträgt etwa 20-25% des Gewichts. Somit enthalten sie zwei Mal so viel Protein wie Weizen und drei Mal so viel wie Reis. Die Proteinqualität von Leguminosen wird verbessert, wenn sie zusammen mit Getreide gegessen werden. Weiters wird durch diese Kombination das enthaltene Eisen besser aufgenommen. Viele Hülsenfrüchte-Speisen werden traditionellerweise mit Getreide kombiniert, zum Beispiel Pitabrot mit Falafel und Hummus, Brot mit Aufstrichen (Curry-Linse, Bohne)und Linsencurry mit Reis.

Hülsenfrüchte beinhalten nur wenig Fett und kein Cholesterin. Da sie glutenfrei sind, können auch Menschen mit Glutenunverträglichkeit Hülsenfrüchte konsumieren. Weiters enthalten sie zahlreiche komplexe Kohlenhydrate und weisen einen niedrigen glykämischen Index (Indikator für den Effekt von Nahrungsmittel auf den Blutzucker) auf.

Durch die Kombination von Hülsenfrüchten mit Vitamin-C-Quellen verbessert sich die Eisenaufnahme. Speisen wie Curry oder Cremesuppen können mit Zitronensaft verfeinert und/oder mit Kartoffeln ergänzt werden. Neben Eisen enthalten Leguminosen viele B-Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium, Phosphor und Zink. Da Kaffee und Tee die Aufnahme von Eisen hemmen, sollte zwischen dem Konsum dieser Getränke und eisenreicher Lebensmittel mindestens ein zeitlicher Abstand von einer Stunde eingehalten werden.

Gesundheit

Komplexe Kohlenhydrate sorgen für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl und schützen so vor Heißhungerattacken, Überessen und unterstützen den Körper beim Abnehmen. Hülsenfrüchte stabilisieren den Blutzucker und Insulinlevel und sind daher wichtig für Diabetiker_innen. Der hohe Ballaststoffgehalt reduziert LDL-Cholesterin und verringert so das Risiko an koronaren Herzkrankheiten zu erkranken.

In vielen Ländern spielen Hülsenfrüchte eine essentielle Rolle bei der Bekämpfung von Mangelernährung. Für viele Menschen, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern, stellen sie die wichtigste und erschwinglichste Proteinquelle dar.

Für Menschen, die an einer Blutarmut leiden, sind Hülsenfrüchte eine wichtige Eisenquelle für den Kampf gegen die Anämie. Die enthaltenen Antioxidantien verringern das Krebsrisiko und das Kalzium wirkt sich positiv auf die Knochengesundheit aus. Die in Hülsenfrüchte enthaltenen Phytoöstrogene gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe, haben eine hormonähnliche Wirkung und können Symptome der Menopause reduzieren.

Ernährungssicherheit

Hülsenfrüchte tragen entscheidend zur globalen Ernährungssicherheit bei. Produktion und Konsum ist besonders hoch in Entwicklungsländern, wo tierische Produkte wie Milch, Eier, Fisch und Fleisch oftmals sehr teuer sind und nur von wohlhabenderen Menschen konsumiert werden können.

Hülsenfrüchte können mehrere Monate oder Jahre gelagert werden ohne ihren Nährstoffgehalt zu verlieren. Dies trägt entscheidend zur Ernährungssicherheit bei, da zwischen Ernte und Konsum eine längere Zeit liegen kann und so Ernteausfälle mit Vorräten abgemildert werden können. Bei richtiger Lagerung können die Hülsenfrüchte auch nach längerer Zeit noch als Saatgut verwendet werden. Einige Sorten wie Straucherbsen und Erderbsen wachsen auch in schlechten, nährstoffarmen Böden und halbtrockenen Gegenden.

Hülsenfrüchte stellen für viele Menschen eine wichtige Einkommensquelle dar, da sie zwei bis drei Mal so hohe Preise erzielen wie Getreide. Der Anbau und Handel schafft Beschäftigung in ländlichen Gegenden und ist besonders wegen den hohen Erträgen auf vergleichsweise kleiner Fläche attraktiv. Aus der Beziehung zwischen Konsum und Handel/Export können Konflikte erwachsen, wenn etwa die Weltmarktpreise für die Rohstoffe derart hoch sind, dass sämtliche Ernteerträge exportiert und für die lokale Bevölkerung unerschwinglich werden.

Umwelt und Klimawandel

Hülsenfrüchte können und sollen Bestandteil einer nachhaltigen Landwirtschaft sein und so zur Abmilderung des Klimawandels beitragen. Hülsenfrüchte binden Stickstoff aus der Luft und speichern diesen im Boden. Diese Fähigkeit wird im Rahmen der Gründüngung aktiv genutzt, denn es werden gezielt Leguminosen wie Sojabohnen, Klee und Lupinen angebaut um die Bodenqualität zu verbessern. Dadurch werden Düngemittel, deren Produktion hohen Energieeinsatz erfordert und beträchtliche Mengen an Treibhausgasen verursacht, eingespart. Eine sinnvolle Fruchtfolge von verschiedenen Leguminosen verhindert Bodenerosionen und garantiert, dass auch in Zukunft dasselbe Stück Land ertragreich bepflanzt werden kann.

Hülsenfrüchte, die aufgrund deren hohen Gehaltes an Proteinen und Eisen eine wichtige Alternative zu Fleisch sind, verursachen wesentlich weniger Treibhausgase als Fleisch und deren Produktion benötigt viel geringere Wassermengen. Zur Herstellung eines Kilos Linsen werden 50 Liter Wasser eingesetzt, wohingegen für ein Kilogramm Rindfleisch 16.000 Liter aufgewendet werden müssen.

Einige Arten von Hülsenfrüchten können im Boden gebundenen Phosphor befreien. Durch die Bindung von Stickstoff und Freisetzung von Phosphor werden die wichtigsten Pflanzennährstoffe im Boden angereichert und dessen Fruchtbarkeit verbessert. Weiters tragen Hülsenfrüchte zur Erhöhung der Biomasse und Aktivität von Bakterien und Pilzen in der Erde bei. Durch all diese Eigenschaften verbessert sich die Struktur und Wasserrückhaltekapazität des Bodens, die Gefahr von Wind- und Wassererosionen wird verringert.

Durch das rasante Bevölkerungswachstum und die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln, übt die Nahrungsmittelproduktion einen immer größeren Druck auf Umwelt und Klimawandel aus. Durch eine pflanzliche und biologische Kost werden Treibhausgase, Düngemittel und Pestizide eingespart. Weiters müssen weniger Nahrungsmittel produziert werden, da zum Beispiel Sojabohnen direkt vom Menschen konsumiert werden und nicht an Tiere verfüttert werden, um im Anschluss deren Fleisch zu verzehren.

Biodiversität

Die genetische Vielfalt der über 100 verschiedenen Arten an Hülsenfrüchten ist sehr groß. Expert_innen betonen, dass im Hinblick an die Anpassung an den Klimawandel besonders widerstandsfähige Arten gezüchtet und gekreuzt werden sollten, denn Hitzestress stellt derzeit eine der größten Gefahren bei der Produktion dar.

Die Vielfalt an Hülsenfrüchten ist prinzipiell sehr hoch, wird aber durch den Einsatz von genetisch modifizierten Pflanzen stark bedroht. Über 80 % der globalen Sojaproduktion wird mittels genetisch verändertem Saatgut erzeugt. In der EU ist der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen zwar nicht erlaubt, allerdings werden jährlich 40 Millionen Tonnen davon importiert, um als Futtermittel verwendet zu werden. Neben negativen Auswirkungen auf Biodiversität und Bodenqualität, erhöhen genetisch modifizierte Pflanzen die Abhängigkeit von Bauern von Agrarkonzernen wie Monsanto.

Handel und Konsum

Der internationale Handel mit Hülsenfrüchten steigt kontinuierlich und hat sich zwischen 1990 und 2012 verdoppelt. Indien ist sowohl der größte Produzent (25 % der weltweiten Produktion) und Importeur (25 % der Importe) von Hülsenfrüchte. Die EU, China, Pakistan und Ägypten importieren ebenfalls große Mengen an Hülsenfrüchten. Die Produktion von Hülsenfrüchten ist sehr konzentriert – die fünf größten Produzenten stellen 51 % der weltweit verfügbaren Hülsenfrüchte her, wobei Kanada mengenmäßig der größte Exporteur ist.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Hülsenfrüchten ist global seit einigen Jahrzehnten rückläufig. Während 1970 noch 7,6 kg Hülsenfrüchte pro Person und Jahr konsumiert wurden, sind es 2006 nur mehr 6,1 kg. Hülsenfrüchte werden in einigen Gegenden als „Proteine der Armen“ angesehen und der Konsum von Fleisch steht vielerorts für Wohlstand. Diese Einstellung und der Wohlstandzuwachs in zahlreichen so genannten Schwellen- und Entwicklungsländern mag zu der Reduktion des Pro-Kopf-Hülsefrüchtekonsums geführt haben.

Rezepte

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